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EU-Kommission hat Bedenken gegen Übernahme von Sun durch Oracle [Update]

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Die EU-Kommission hat eine eingehende Untersuchung der geplanten Übernahme des US-Unternehmens Sun Microsystems durch Oracle eingeleitet. Die Kommission sieht wettbewerbsrechtliche Probleme auf dem Markt für Datenbanken. Sie muss nun bis zum 19. Januar 2010 entscheiden, ob durch diesen Zusammenschluss der wirksame Wettbewerb erheblich beeinträchtigt würde. [Update: Dazu hat sie nun laut Mitteilung von Sun Microsystems an die US-Börsenaufsicht ein "Statement of Objections" ausgegeben, in der die Verfahrensbeteiligten über die Bedenken informiert werden und Gelegenheit zur Antwort eingeräumt bekommen. Die Bedenken beträfen ausschließlich die Übernahme von MySQL.]

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte im September erklärt: "Wenn das weltweit führende Unternehmen im Bereich proprietäre Datenbanken das weltweit führende Unternehmen im Bereich Open-Source-Datenbanken zu übernehmen gedenkt, muss die Kommission die Auswirkungen auf den Wettbewerb in Europa äußerst sorgfältig prüfen." Sie müsse sicherstellen, dass die Kunden nicht mit einem schmaleren Angebot oder höheren Preisen konfrontiert werden. Da Systeme, die auf Open Source basieren, für Unternehmen zunehmend eine wirtschaftliche Alternative zu proprietärer Software darstellen, müsse die Kommission gewährleisten, dass solche Alternativen erhalten bleiben.

Oracle wirft der EU-Kommission in einer Stellungnahme vor, die Wettbewerbssituation auf dem Datenbank-Markt und das Wesen von Open Source zu verkennen. Da MySQL, das Oracle zusammen mit Sun übernehmen wolle, Open Source sei, könne es nicht von einem Einzelnen kontrolliert werden. Zudem seien die Oracle-Software und MySQL sehr unterschiedliche Datenbank-Produkte. Daher gebe es für die EU-Kommission keine rechtliche Grundlage, die Fusion dieser beiden Unternehmen in Zweifel zu ziehen – zumal auf dem Datenbank-Markt insgesamt acht Unternehmen intensiv konkurrierten.

Nachdem die EU-Kommission eine zweite Untersuchungsphase zu der geplanten Sun-Übernahme gestartet habe, habe sich das US-Justizministerium den Fall ebenfalls ein zweites Mal vorgenommen und wieder keine Einwände gefunden, insbesondere auch nicht die Übernahme von MySQL betreffend, erläutert Oracle. Das Unternehmen hat seinen konsequenten Widerstand gegen die Einwände der EU-Kommission angekündigt und sieht angesichts der "überwältigenden Belege" für sich gute Chancen. Die Kartellwächter der US-Regierung haben laut Medienberichten angekündigt, mit der EU-Kommission kooperieren zu wollen.

Die Position der EU-Kommission wird von MySQL-Gründer Michael "Monty" Widenius unterstützt. In einem Interview hatte er vorige Woche verdeutlicht, für ihn sei Oracle Hauptkonkurrent von MySQL. Der ehemalige MySQL-Berater und -Aktionär Florian Müller schlägt die gleiche Richtung ein und ergänzt, Open Source sei eine Distributionsmethode, MySQL hänge aber von einer dahinterstehenden Firma ab, die mit den Rechten am geistigen Eigentum Einnahmen generiere und so die weitere Entwicklung finanziere. "Warum hätte Sun eine Milliarde Dollar für etwas bezahlt, was man 'forken' kann?", fragt Müller. "Warum schließt Oracle nicht einfach den Sun-Kauf ohne MySQL auf die Schnelle ab und 'forkt' dann auch, wenn das angeblich so einfach ist und es nicht darauf ankommt, wem die Rechte an MySQL gehören?" (anw)