Cebit

EU-Kommission ruft zur "Großen Koalition" gegen Fachkräftemangel

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationsbranche, Regierungen sowie Bildungseinrichtungen aufgefordert, einem Pakt für digitale Arbeitsplätze beizutreten.

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EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat am Montag in Brüssel Unternehmen aus der IKT-Branche, Regierungen sowie Bildungseinrichtungen aufgefordert, einem Pakt für digitale Arbeitsplätze beizutreten. Zum Auftakt der CeBIT in Hannover warb er für eine "Große Koalition" gegen den Fachkräftemangel, um "die europäische Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen" und "zumindest für einen Teil der 26 Millionen Arbeitslosen in Europa Arbeitsplätze zu finden". Die Initiative sei auch wichtig, um Impulse für die nächste Revolution im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) zu geben.

Nach aktuellen Schätzungen bleiben 2015 in der Branche in Europa 900.000 Jobs unbesetzt. Jedes Jahr steige die Zahl der Arbeitsplätze im IKT-Sektor um mehr als 100.000, erklärte die EU-Kommission. Die bereit stehenden Fachkräfte sowie die Hochschulabsolventen reichten schon lange nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken. Daher sei eine Kehrtwende nötig, um die freien Jobs zu besetzen.

Die Ankündigung stützt sich auf Vorarbeiten der für die Digitale Agenda zuständigen Kommissarin Neelie Kroes. Die Niederländerin hatte im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bereits erste Zusicherungen etwa aus der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft, von Sozialpartnern und Arbeitsvermittlern für neue Arbeits- und Ausbildungsplätze, Praktika, Finanzierungen von Unternehmungsgründungen oder kostenlose Online-Hochschulkurse eingeholt. Mittlerweile seien so über 15 Firmen und andere Einrichtungen der Koalition beigetreten. Umgesetzt worden seien bereits die Initiative Academy Cube, eine Weiterbildungsplattform im Internet für Heranwachsende sowie ein Schulungsprojekt für Installateure intelligenter Energienetze.

Die Kommission erwartet, dass die an dem Bündnis Beteiligten für die passende Ausbildung für IKT-Berufe mit den benötigten Qualifikationen sorgen. Sie setzt auf verstärkte Zertifizierungen, um es Jobsuchenden oder Beschäftigten zu erleichtern, ihre Kompetenzen gegenüber einem Arbeitgeber über Ländergrenzen hinweg nachzuweisen. Brüssel fordert ein, Mobilität zu unterstützen, um diejenigen mit den gewünschten Qualifikationen dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden, und um einen Mangel oder Überschuss an Fachkräften in einzelnen Regionen zu verhindern. Die Bevölkerung soll dafür "sensibilisiert" werden, dass der digitale Sektor "sowohl Frauen als auch Männern interessante und gut bezahlte Laufbahnen bietet".

Die Kommission setzt zudem darauf, innovative Lern- und Lehrformen entwickeln zu lassen. Damit sollen die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung umfassender und besser werden, um Auszubildende und Beschäftigte "just in time" mit den benötigten beruflichen Kompetenzen zu versorgen. Kroes will dazu auch noch bis zum Sommer gemeinsam mit ihrer für den Bildungsbereich zuständigen Kollegin Androulla Vassiliou die Initiative "Opening up Education" starten. Damit soll der Zugang zu Bildung durch Technologie und frei zugängliche Lehr- und Lernmaterialien in Form von Open Educational Resources erleichtert werden. An der Koalition sind zudem noch Industriekommissar Antonio Tajani und der für den Beschäftigungssektor zuständige Kommissar László Andor beteiligt. (anw)