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EU-Kommission und Vint Cerf drängen auf Einführung von IPv6

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Spätestens 2011 ist der Vorrat an IPv4-Adressen aufgebraucht, ab dann sind von den lokalen Internet Registries nur noch IPv6-Adressen zu haben. "Es wird richtig hart," warnte Geoff Huston, Wissenschaftler der IP-Adressvergabestelle APNIC, beim Treffen der IP-Adressregistry Réseaux IP Européens (RIPE) heute in Berlin. Er forderte Internet Service Provider auf, sich dringend auf einen Dual-Stack-Betrieb einzustellen, der Kunden eine Übersetzung zwischen beiden Welten erlaubt.

Nur wenige Kilometer weiter, in Potsdam, verkündete fast gleichzeitig Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, in einer Videobotschaft, dass sie sich der Dringlichkeit sehr wohl bewusst sei. Reding eröffnete damit einen zweitägigen Expertengipfel zu IPv6 am Hasso-Plattner-Institut, der parallel zum Treffen der RIPE Experten in Berlin stattfindet. Reding sagte, die Kommission werde den Mitgliedsstaaten in Kürze Maßnahmen vorschlagen, um den entscheidenden Schritt in die IPv6-Welt bis zum Jahre 2010 zu schaffen. Beim RIPE-Treffen in Berlin hatte am Tag zuvor ein Vertreter der Kommission die Marke 25 Prozent IPv6-Unterstützung für Endkunden in Europa ausgegeben und eingeräumt, dass dies ein überaus ambitioniertes Ziel sei.

Eine "Sackgasse" nannte Reding die noch bevorzugte Version 4 des Internetprotokolls. Viele Innovationen kämen nicht zustande, weil zu viel Kapazität darauf verwendet werde, die Knappheit des Adressraumes zu verwalten. "Das muss nicht sein. Und wir werden dies, so denke ich, gemeinsam ändern", sagte die EU-Kommissarin. Die Kommission will am 22. Mai ihre Mitteilung zum IPv6-Aktionsplan veröffentlichen.

Der ebenfalls per Videobotschaft nach Potsdam zugeschaltete IP-Mitentwickler Vint Cerf mahnte vor allem, dass Internetserviceanbieter ihre Router noch nicht auf den Nachfolger des seit 1981 geltenden Standards eingestellt hätten. Hardware- und Software-Hersteller hätten nach und nach reagiert. Während bei Windows XP im IPv6-Betrieb noch keine DNS-Anfragen möglich seien, gehört dies bei Windows Vista zum Standard. Allerdings berichten Experten mit Blick auf Hard- und Software immer wieder über noch notwendige Nacharbeiten.

Diesen Befund, dass IPv6 viel zu langsam eingeführt wird, um bis zum Erschöpfen der IPv4-Vorräte vorbereitet zu sein, unterstrich Huston mit verschiedenen Daten, die er aus Analysen des bei den IP-Adressregistries anfallenden Datenverkehrs ableitete. Maximal zwei bis drei von 1000 Endnutzersystemen, die APNIC adressieren, nutzen IPv6. Die Zahl sei sogar eher noch optimistisch, da APNIC in der Regel eher von professionellen Nutzern adressiert werde. Das sei noch sehr weit entfernt von den 25 Prozent der Kommission, meint Huston. Die Nachfrage nach IPv6-Adressen nehme zwar langsam zu und über 10 Prozent von Transit-Provider haben laut Huston auch angefangen, sich mit IPv6 zu befassen. Dennoch sei noch vieles "Laborarbeit" oder "Spielerei". Angesichts der rasanten Entwicklung von IPv4-Adresszuweisungen werde man dann bald sehen, ob das Schwein fliegen kann, wenn es über die Klippe stürze. (Monika Ermert) / (anw)