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EU-Kommission will gegen App-Missbrauch und mobile Kostenfallen vorgehen

EU-Verbraucherkommissar Neven Mimica hat Bedenken gegen die Anbieter mobiler Anwendungen und Dienste, die Nutzer durch das "Freemium"-Modell zu ködern versuchen. Oft würden gerade Kinder zu "In-App-Käufen" gedrängt.

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Die EU-Kommission hat ein Auge auf den boomenden App-Markt geworfen, der in den nächsten fünf Jahren Umsätze von 63 Milliarden Euro generieren soll. "Wir stellen immer häufiger fest, dass App-Anbieter Verbraucher durch das sogenannte Freemium-Modell zu ködern versuchen", erklärte der für den Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar, Neven Mimica, gegenüber der Welt. So würden Kunden zunächst mit Gratis-Anwendungen "angefüttert". Diese seien aber nach kurzer Zeit oft nur noch voll nutzbar, wenn zusätzliche In-Apps gekauft würden.

Unter iOS beispielsweise lassen sich In-App-Käufe unterbinden

Häufig geschehe die in kleinen Programmen wie Spielen, die bevorzugt von Kindern genutzt werden, ärgert sich Mimica. Sie würden aufgefordert, sich "durch einfache Klicks weitere Leistungen mit Geld zu erkaufen". Dabei könnten Kosten in drei- oder sogar vierstelliger Höhe entstehen, für die in der Regel dann die Eltern der Betroffenen aufkommen müssten. Die jungen Nutzer hätten oft noch nicht das nötige Urteilsvermögen, um die ins Freemium-Prinzip eingebauten Fallstricke zu identifizieren. Zum Missbrauch trügen konstruierte Geschichten bei, die Kinder mit Hinweisen wie "Wenn Du nicht zahlst, stirbt das Tier" zum Geldausgeben nötigten.

Mimica will daher erreichen, dass Anbieter von Kinder-Apps Eltern und Nachwuchsspieler in verständlicher Sprache über die Inhalte, mögliche Kosten, Zahlungsmethoden oder die Vertragsdauer aufklären müssen. Werbung sei klar von den eigentlichen Anwendungen zu trennen. Zudem müssten Eltern den Kauf von In-Apps für ihre Sprösslinge freigeben.

Neven Mimica

(Bild: EU-Kommission )

Der EU-Kommissar sorgt sich auch um den Datenschutz. Er sieht die Gefahr, zu viele Informationen preisgegeben werden, wenn In-Apps heruntergeladen und genutzt werden, beispielsweise über Adress- und Zeitkalender des Benutzers. So könnten die Anbieter ausgefeilte Kundenprofile erstellen und diese etwa zu Marketingzwecken verwenden.

Konkrete gesetzgeberische Schritte will Mimica noch vermeiden. Die Kommission stehe derzeit gemeinsam mit nationalen Kontroll- und Verbraucherschutzbehörden im Dialog mit Industrievertretern wie Apple und Google. Ziel sei es, diese zu einem freiwilligen Verhaltenskodex zu bringen, der "zweifelhafte oder unlautere In-App-Praktiken" ausschließe. Sollte die Selbstregulierung aber nicht erfolgreich sein, werde die Kommission "zusammen mit den Mitgliedstaaten über rechtliche Schritte nachdenken". (anw)

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