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EU-Lobby für mehr freie Inhalte

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Eine neue Organisation in Brüssel will sich für eine digitale Allmende einsetzen, für ein großes Angebot nicht oder nicht mehr urheberrechtlich geschützter Inhalte. Kommende Woche soll der Communia-Verband offiziell aus der Taufe gehoben werden. Er ist das Ergebnis eines dreijährigen von der EU geförderten Projekts zur Erforschung der Allmende – der Public Domain. Viele der beteiligten 50 Projektpartner beschlossen nach dem Auslaufen der Fördermittel im Frühjahr, dass die weitere Forschung und Lobbyarbeit für allgemein und frei zugängliche Inhalte unverzichtbar ist.

"Lobbying von dieser Seite ist wirklich wichtig", sagte Melanie Dulong vom National Center for Scientific Research (CNRS)/Research Center in Adminstrative Science (CERSA), einem der Communia-Gründungsmitglieder, im Gespräch mit heise online. "Denn die Lobby auf der anderen Seite, die sich für ein restriktives Urheberrecht, mehr Kontrolle oder Abschreckungsmaßnahmen wie Three-Strikes einsetzt, ist stark." Neben der Lobbyarbeit im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren und der Forschungsarbeit zu wirtschaftlichen Effekten will Communia auch durch ausgefallene Aktionen für die Idee der digitalen Allmende werben. Verschiedene Partner, so Dulong, würden etwa die Entwicklungsarbeit an "Public Domain Kalkulatoren" vorantreiben. Diese helfen bei der Berechnung, ob ein bestimmtes Werk aus einem bestimmten Land schon gemeinfrei ist oder noch nicht.

Zum offiziellen Start kommende Woche veröffentlicht der Verband überdies einen 14 Prinzipien umfassenden Grundsatzkatalog. Diese Prinzipien, die ein im Verlauf des EU-Projekts ausgearbeitetes Manifest auf den Punkt bringen, enthalten etwa die Forderung, die überlangen Schutzfristen für den Urheberrechtsschutz neu zu bewerten. Die aktuell geltenden 70, in manchen Ländern sogar 90 Jahre nach dem Tod eines Künstlers wirkten sich "in hohem Maß zerstörerisch für den Zugang zu gemeinsamen Wissen und Kultur aus", heißt es in den Prinzipien des Verbands. (ghi)