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EU-Mitgliedsstaaten stoppen Auto-Vernetzung auf pWLAN-Basis

Die EU-Kommission wollte dem veralteten pWLAN-Verfahren den Weg ebnen, während China längst auf LTE und 5G setzt.

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(Bild: Dean Burton / Shutterstock.com)

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Die EU-Mitgliedsländer haben in letzter Sekunde die Festlegung auf eine von der Kommission favorisierte WLAN-Technik im Rahmenregelwerk für Auto-Vernetzung verhindert. Eine Mehrheit von 21 Staaten, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, lehnte das Vorhaben bei einem Treffen in Brüssel in diesem Punkt ab, teilten EU-Vertreter am gestrigen Donnerstag mit.

Die EU-Kommission hatte Mitte März einen delegierten Rechtsakt veröffentlicht, um ihre Norm Cooperative Intelligent Transportation Systems (C-ITS) näher zu spezifizieren. Mit der Vernetzung will die EU den Straßenverkehr effizienter machen und vor allem Unfälle mit tödlichem Ausgang reduzieren. Darin hatte sich die Kommission für den auf einer älteren WLAN-Spezifikation basierenden Standard ITS-G5 ausgesprochen.

Trotz dringender Einwände von Seiten einiger Fahrzeughersteller, der Mobilfunkbranche und auch unabhängigen Fachleuten, hatte das EU-Parlament den Plan der EU-Kommission im April durchgewunken. Erste Anzeichen für Zweifel am Vorhaben folgten allerdings ebenfalls, bis Mitte Mai sollte immerhin eine zweimonatige Einspruchsfrist folgen.

Die Initiative blieb schließlich länger als gedacht beim Ministerrat hängen, und das wohl mit gutem Grund. Denn obschon der delegierte Rechtsakt nicht dazu verpflichtet, Fahrzeuge mit Funkkommunikation auszustatten, wäre er wegweisend gewesen: Damit hätte die EU-Kommission formaljuristisch festgelegt, dass in der EU ausschließlich die 802.11p-basierte Fahrzeugkommunikation als C-ITS bezeichnet werden darf. So hätte das Mobilfunkverfahren C-V2X kaum eine Chance, in die engere Wahl zu kommen, wenn die EU die Autovernetzung später zur Pflicht machen wollte. Das hat nun eine Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten abgewendet.

802.11p – auch als pWLAN bezeichnet – wurde 2010 vom Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) spezifiziert und gründet auf der WLAN-Norm 802.11a aus dem Jahr 1999. Die 11a-Technik ist längst veraltet. In Firmen- und in Heimnetzen sind längst die modernen Nachfolger 802.11n und 802.11ac üblich. Allerdings fördert die EU seit mehreren Jahren diverse Feldversuche und Pilotprojekte auf Basis der 11p-Technik. Unter anderem deshalb könnten Kommissionsmitglieder den 11p-Entwicklungsstand höher gewichtet haben, als den der Mobilfunkindustrie. Diese hat in Deutschland erst in jüngerer Zeit Feldversuche gestartet.

Vor allem die in der 5G Automotive Association organisierten Mobilfunk- und Autohersteller äußern sich nun erleichtert über die erneuerte Chance, LTE- und 5G-Technik auch in Europa zur Vernetzung verwenden zu können. China hat sich schon früh auf C-V2X und damit LTE und 5G festgelegt. In Deutschland stützen BMW, Daimler oder auch die Deutsche Telekom C-V2X. VW stand hingegen zunächst auf Seiten der 11p-Verfechter und hat 2017 einen Golf mit 11p- beziehungsweise pWLAN-Technik angekündigt. Seitdem ist es aber still geworden um das Vorhaben.

Funkspezialisten sehen 11p als Sackgasse. Sie monieren vor allem das schwache Funkkonzept und führen ins Feld, dass LTE-Funkmasten schon sehr viele Straßen in Europa abdecken, wenngleich nicht überall lückenlos. 11p ist mit seinen verstreut aufgestellten Road Side Units (RSU) hingegen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte von einer solchen Infrastrukturdichte entfernt. Nun haben alle Parteien Gelegenheit, das Für und Wider der beiden Techniken gründlicher abzuwägen – die Nachrichtenagentur Reuters meldet, dass die EU-Minister den Fall vermutlich am 8.7. formal an die EU-Kommission zurückweisen werden.

[Update]: 06.07.19, 9:03 Uhr: EU-Ministertreffen ergänzt (dz)