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EU-Plan: 20 Milliarden Euro für Künstliche Intelligenz bis 2020

Die EU-Kommission will mit einem Maßnahmenpaket die öffentlichen und privaten Investitionen in Künstliche Intelligenz deutlich steigern. Die Entwicklung soll mit Daten aus den Bereichen Verkehr, Gesundheit und Forschung angefüttert werden.

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EU-Plan: 20 Milliarden Euro für Künstliche Intelligenz bis 2020

(Bild: Tatiana Shepeleva/Shutterstock.com)

Drei neue Initiativen zum digitalen Binnenmarkt hat die EU-Kommission am Mittwoch auf den Weg gebracht. Umfassendster Teil des Pakets ist ein Plan für den Ausbau der Künstlichen Intelligenz (KI) in Europa. Damit will die Kommission die Wettbewerbskraft in dem Sektor erhöhen, ein stabiles und klares rechtliches Rahmenwerk schaffen sowie auf Bedenken der Bürger eingehen. Die technischen und industriellen KI-Fähigkeiten sollen gestärkt, innovative Geschäftsmodelle und neue Arbeitsplätze gefördert werden. Fragen der Haftung, Sicherheit, Transparenz und vor allem des Zugangs zu Daten als "Futter" für die KI spielen eine wichtige Rolle.

Die EU soll die Investitionen in Forschung und Entwicklung von Künstlicher Intelligenz im öffentlichen und privaten Sektor bis Ende 2020 insgesamt um mindestens 20 Milliarden Euro steigern. Ihre eigenen Geldtöpfe wird die Kommission dabei über das Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020 auf 1,5 Milliarden Euro aufstocken. Sie hofft, dass damit parallel zusätzliche Mittel bestehender öffentlich-privater Partnerschaften in Höhe von 2,5 Milliarden Euro mobilisiert werden, etwa in den Bereichen Big Data und Robotik. Das Geld soll dazu beitragen, die KI-Entwicklung in Schlüsselbereichen vom Verkehr bis zum Gesundheitswesen zu unterstützen sowie Forschungszentren zu vernetzen. Über eine Plattform für "KI auf Abruf" will die Kommission zudem allen Nutzern in der EU Zugang zu relevanten Ressourcen verschaffen.

Darüber hinaus soll der Europäische Fonds für strategische Investitionen (EFSI) genutzt werden, um Unternehmen und Startups zusätzliche Mittel für KI-Investitionen bereitzustellen. Über diesen Weg glaubt die Kommission, weitere Gesamtinvestitionen von mehr als 500 Millionen Euro mobilisieren zu können. Um die noch klaffende Lücke zu schließen setzt Brüssel vor allem auf die Mitgliedsstaaten. So verwies der für den digitalen Binnenmarkt zuständige Kommissionsvizepräsident Andrus Ansip darauf, dass allein Frankreich 2,5 Milliarden Euro pro Jahr in die KI-Entwicklung stecken wolle.

Die Kommission kündigte darüber hinaus an, bis Ende 2018 ethische KI-Leitlinien erarbeiten zu wollen, die auf der Grundrechtecharta beruhen. Dabei werde sie Grundsätze wie Datenschutz und Transparenz rund um Algorithmen berücksichtigen. Bis Mitte 2019 soll eine Leitlinie zur Interpretation der Produkthaftungsrichtlinie rund um KI-Fragen folgen, um Verbrauchern und Herstellern Klarheit über ihre Rechte und Pflichten bei Produktmängeln zu verschaffen.

"Wir müssen mit ethischen Grundsätzen vorangehen", von denen alle Seiten profitierten, betonte Ansip auch mit Blick auf mögliche Versäumnisse in diesem Bereich in China und den USA. "Wir wollen nicht, dass ein 'technischer Frankenstein' in Europa eingesetzt werden darf." Die für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige Kommissarin Mariya Gabriel ergänzte, die Bürger müssten etwa davor geschützt werden, dass Algorithmen verzerrte Ergebnisse lieferten. Zur Debatte über "Persönlichkeitsrechte" für Maschinen sagte Binnenmarktkommissarin Elżbieta Bieńkowska: "Roboter werden niemals Menschen werden."

Tags zuvor hatten Wissenschaftler aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, den Niederlanden und der Schweiz den raschen Aufbau eines europäischen Forschungsinstituts für maschinelles Lernen gefordert. Dabei handle es sich um das "Herzstück einer technischen und gesellschaftlichen Revolution", schreiben die Forscher in einem offenen Brief. Europa drohe, abgehängt zu werden. Angesichts der ambitionierteren KI-Entwicklung in den USA und China empfehlen die Autoren den Aufbau eines Europäischen Labors für Lernende und Intelligente Systeme (ELLIS).

Zu dem Paket der Kommission gehören auch erweitere Instrumente für Open Data und Open Access. Daten des öffentlichen Sektors und wissenschaftliche Informationen, die mit Steuergeldern finanziert werden, sollen damit über maschinenlesbare Formate besser zugänglich, gemeinsam nutzbar und stärker weiterverwendbar werden. Die Vorschriften für Open Data in der Verwaltung will die Kommission auf Daten öffentlicher Verkehrs- und Versorgungsunternehmen ausweiten sowie parallel verbliebene Ausnahmen für Gebühren einschränken. Zum Einsatz kommen sollen möglichst Programmierschnittstellen (API), die einen "Echtzeit-Zugriff auf Daten" erlauben. Die neuen Techniken brächten nichts, "wenn wir keine Daten in sie einspeisen können", unterstrich Forschungskommissar Carlos Moedas. "Sie sind das Rohmaterial."

Letzte Komponente des Pakets ist eine E-Health-Initiative. Damit will die Kommission es Akteuren im Gesundheitssektor gestatten, größere Datensätze zu verwenden, um etwa individuellere Diagnosen und medizinische Behandlungen durchzuführen und Epidemien besser vorherzusehen. Zudem sollen elektronische Patientenakten zusammen mit der Möglichkeit eingeführt werden, die Daten "grenzüberschreitend zu teilen" etwa bei Reisen in andere EU-Länder. Die Rede ist von mehr Interoperabilität in diesem Bereich und einem "Mechanismus für die freiwillige Koordinierung der gemeinsamen Nutzung von Daten" bis hin zum Genom "für die Krankheitsvorsorge und die Forschung". (Stefan Krempl) / (mho)

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