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EU-Polizeibehörde baut an neuem Informationssystem

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Die europäische Sicherheitsbehörde Europol hat jetzt den Auftrag für die zweite Entwicklungsphase des Europol-Informationssystems ("Europolis") für 20 Millionen Euro vergeben. Auftragnehmer sind die französische EADS-Tochter EADS Sycomore (Matra Systems), die italienische Datamat sowie Sail Labs Deutschland. Europolis soll zum 1. Januar 2002 in einer ersten Version betriebsbereit sein.

Die IT-Abteilung von Europol wird nach eigenen Angaben noch in diesem Jahr auf 34 Angestellte aufgestockt. Zurzeit gibt es 250 Anwender im Europol-Hauptquartier sowie direkte und indirekte Nutzer in den nationalen Europol-Einheiten der 15 Mitgliedstaaten. Die Europol-Anwendungen bauen auf Windows als Betriebssytem auf und wurden intern sowohl für das Web als auch für Client/Server-Systeme entwickelt. Das Europol-System ist mit einer sicheren VPN-Verbindung mit den Systemen der Mitgliedstaaten verbunden.

Im Dezember 1999 hatte Europol einen ersten Vertrag mit einem Volumen von zehn Millionen Euro für die Entwicklung des Europolis-Informationssystems vergeben. Auch damals erhielt Matra Systemes & Information den Auftrag. Sail Labs und Datamat waren Auftragnehmer von Matra Systemes & Information. Die Tochter der französischen Aerospatiale Matra ging allerdings im Frühjahr 2000 in einer Fusion ihrer Mutter mit der deutschen Daimler-Chrysler Aerospace (Dasa) und der spanischen CASA in der EADS auf. EADS war einer der größten Börsengänge des Jahres 2000 und ist heute das drittgrößte Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsunternehmen der Welt.

Auch in der zweiten Etappe haben im Prinzip dieselben Auftragnehmer den hoch dotierten Auftrag erhalten. Während Matra beziehungsweise EADS Sycomore Systemintegrator ist, bringt Datamat "sein Know-How hinsichtlich des Datenbanksystems" ein. Sail Labs sorgt für die automatische Übersetzung zwischen den 11 Sprachen der EU-Mitgliedstaaten. Dabei werden die Anfragen der Polizeibeamten an das System wie die entsprechenden Antworten in Echzeit übersetzt.

Sail Labs und Datamat waren neben der Firma Poly/Genesys zuvor Anbieter im EU-Projekt SENSUS, in dem ein multilinguales Informationssystem entwickelt wurde. Projektkoordinator für SENSUS war der BND-Agent Stephan Bodenkamp, der schließlich wegen Vertragsfälschung im Dezember 2000 vom Amtsgericht München zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Nutzer bei SENSUS war Europol. Peer van Driesten, der Chef von Sail Labs, erklärte gegenüber c't, dass Europolis jedoch "mit den Dingen, die wir im SENSUS-Projekt gemacht haben, technologisch nichts zu tun" habe. (Christiane Schulzki-Haddouti) / (jk)