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EU-Studie: Wachsende Kluft zwischen Männern und Frauen in IT-Berufen

Der Anteil der männlichen Mitarbeiter im Digitalsektor ist laut einer Analyse im Auftrag der EU-Kommission dreimal so hoch wie der der weiblichen. Frauen seien als Startup-Gründerinnen zwar erfolgreicher, trotzdem sinke auch hier ihre Beteiligung.

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In Deutschland kamen 2015 7,5 Prozent der männlichen Uniabsolventen aus IKT-Fächern, 1,6 Prozent waren es bei den Frauen.

(Bild: EU-Kommission)

Trotz vieler Vorteile einer diversen Belegschaft können Frauen in IT-Berufen oft nach wie vor nicht wirklich punkten. Eine Studie der EU-Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Schere zwischen der Beteiligung von Männern und Frauen im gesamten digitalen Sektor in den Feldern Ausbildung, Karriere und Unternehmertum weiter öffnet. Als hauptsächliche Ursache für die zunehmende geschlechtliche Ungleichbehandlung machen die Forscher vor allem sich hartnäckig haltende, starke unbewusste Vorurteile über die Geschlechterrollen und den Einsatz von Technik aus.

Für die Untersuchung haben die Autoren bestehende Studien ausgewertet sowie eigene qualitative Analysen angestellt. 2015 haben demnach 2,7 Prozent der Europäer in Feldern der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) studiert, was trotz Fachkräftemangels ein Minus von 0,3 Prozentpunkten gegenüber 2011 darstellt. Auch die Zahl der Absolventen in den entsprechenden Fächern ist um 0,4 Prozentpunkte etwas gefallen. Der negative Zahlentrend bezieht sich zwar auf beide Geschlechter, aber die Kluft zwischen Männern und Frauen hat sich hier etwas ausgeweitet: Letztlich gibt es in Europa viermal weniger weibliche Studierende in IKT-Fächern als männliche.

2015 arbeiteten 5,8 Prozent der Europäer in "digitalen Berufen" im Vergleich zu 5,4 Prozent fünf Jahre früher. Frauen stellen laut der Studie insgesamt 21,5 Prozent der Belegschaft in diesem Bereich, die Quote der Männer sei um 313 Prozent größer als die der Frauen. Dazu komme, dass sich für Frauen im Gegensatz zu Männern ein Universitätsabschluss auf die Wahrscheinlichkeit, einen IT-Job zu erhalten, gar nicht positiv auswirke. Unter jeweils 1000 Absolventinnen gebe es auch nur 24, die Informatik oder ähnliche Fächer studiert hätten. Von diesen bekämen sechs einen Arbeitsplatz im Digitalsektor; unter den Männern seien die Anteile deutlich größer.

Vor allem im Alter zwischen 30 und 44 steigen 8,7 Prozent der Frauen aus IT-Berufen wieder aus. Das ist die typische Phase, in der Europäer Kinder bekommen und aufziehen. Die Forscher beziffern den dadurch verursachten Produktivitätsverlust auf 16,1 Milliarden Euro pro Jahr. Die Vergleichszahl für Job-Abbrecher unter Männern liege bei 1,2 Prozent. Frauen würden im IKT-Bereich auch häufiger diskriminiert als ihre Kollegen, obwohl sie höher motiviert seien als diese.

Mädchen und junge Frauen bis 24 Jahren haben höhere digitale Fertigkeiten als ihre männlichen Pendants, während in höheren Altersgruppen das Verhältnis umgekehrt sei. Allerdings nähmen 68 Prozent der weiblichen Schüler in den Abschlussjahren Programmierunterricht gegenüber 83 Prozent der männlichen. In der weltweit größten Online-Gemeinde für Programmierer, Stack Overflow, liege der Frauenanteil bei zehn Prozent.

Unter den europäischen Startup-Gründern sind laut der Studie 14,8 Prozent weiblich. Dabei habe die Forschung gezeigt, dass von Frauen betriebene junge Digitalfirmen erfolgreicher seien und Investitionen darin um 63 Prozent besser verliefen als bei vergleichbaren Unternehmen, die nur Männer gegründet haben. Insgesamt sei der Anteil der Unternehmerinnen im Digitalbereich zwischen 2011 und 2015 um vier Punkte auf 23,4 Prozent gestiegen, obwohl sie weniger bezahlt bekämen als ihre männlichen Kollegen.

Die Telekommunikationsbranche zeigt allerdings mit 27,1 Prozent die höchste Quote an Frauen im Top-Management und in Aufsichtsräten von Firmen, was einem Plus von 46 Prozent zwischen 2011 und 2015 entspricht. Im IT-Sektor liegt der Zuwachs mit 102 Prozent sogar noch deutlich höher, der Bereich hat mit 17,2 Prozent aber auch den höchsten Anteil mit rein männlich besetzten Führungsgremien.

Die Forscher haben zudem herausgefunden, dass Frauen eine negativere Sicht auf die Effekte digitaler Technik haben als Männer. Beispielsweise glauben 70 Prozent der Männer, dass sich die Entwicklung positiv auf ihre Lebensqualität auswirke, während der Vergleichsanteil unter den Frauen bei 63 Prozent liegt. Frauen informieren sich auch weniger ausführlich über elektronische Gadgets & Co. als Männer. (anw)