Menü

EU-Umfrage zum Zugang zu Wissenschaftspublikationen

vorlesen Drucken Kommentare lesen 11 Beiträge

Die EU-Kommission hat eine öffentliche Konsultation zum offenen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen gestartet. Bis zum 9. September sind Wissenschaftler, Einrichtungen der Forschungsfinanzierung, Universitäten und sonstige Interessengruppen aufgerufen, ihre Ansichten zum Regelungsbedarf hinsichtlich Verfügbarkeit und Bewahrung digitaler Forschungsliteratur einzureichen. Auf Grundlage der Befragung will Brüssel bis Ende des Jahres Empfehlungen zu Handlungsmaßnahmen der EU-Mitgliedstaaten herausgeben.

"Forscher, Ingenieure und Unternehmer in Europa müssen schnell und einfach auf wissenschaftliche Informationen zugreifen können, um mit ihren Kollegen in anderen Teilen der Welt auf Augenhöhe in einen Wettbewerb treten zu können", heißt es in der Ankündigung der Kommission. Moderne digitale Infrastrukturen seien imstande, dies wesentlich zu erleichtern. Es beständen aber noch "einige Herausforderungen" wie etwa "die hohen und steigenden Abonnementpreise für wissenschaftliche Publikationen, der kontinuierlich wachsende Umfang wissenschaftlicher Daten und die Notwendigkeit, Forschungsergebnisse auszuwählen, zu verwalten und zu bewahren".

Das "Open Access"-Prinzip, gemäß dem Forscher selbst ihre Werke im Internet gegebenenfalls nach einer Übergangsfrist publizieren und Interessierten kostenlos zur Verfügung stellen, kann nach Ansicht der Kommission eine Lösung bieten. Sie fragt in diesem Zusammenhang gezielt nach einer Einschätzung des "goldenen Wegs", bei dem eine entsprechende Erstveröffentlichung über Autorengebühren vorfinanziert wird, sowie des "grünen Wegs". Letzterer sieht die zeitgleiche oder nachträgliche Archivierung digitaler Inhalte auf einem speziellen Dokumentenserver vor. Die Kommission interessiert dabei auch, ob die EU selbst ein entsprechendes zentrales Archiv für Open-Access-Publikationen anlegen sollte. Verleger sehen vor allem die "formatgleiche" Veröffentlichung wissenschaftlicher Werke im Netz sehr kritisch.

"Die Ergebnisse öffentlich finanzierter Forschung sollten grundsätzlich so weit wie möglich verbreitet werden", betonte Neelie Kroes, die für die Digitale Agenda zuständige Kommissarin. Sie hat die Befragung gemeinsam mit ihrer für Forschung und Innovation zuständigen Kollegin, Máire Geoghegan-Quinn, eingeleitet. "Die weite Verbreitung von Wissen innerhalb des Europäischen Forschungsraums und darüber hinaus ist ein wesentlicher Motor für wissenschaftlichen Fortschritt und Innovationen und damit für Wachstum und Beschäftigung in Europa", begründete Kroes die Initiative. "Wir streben einen offenen Zugang zu wissenschaftlichen Informationen an, damit wir alle in möglichst großem Ausmaß von Forschungsinvestitionen profitieren können". (vbr)