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EU-Umweltagentur: Düstere Aussichten für das Erreichen der Klimaziele 2030

Die EU konnte den Ausstoß von Treibhausgasen zwar 2018 um zwei Prozent senken, doch der Transportsektor und der wachsende Energieverbrauch machen Sorgen.

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(Bild: yotily/Shutterstock.com)

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Auf gemischte Ergebnisse verweist die Europäische Umweltagentur (EUA) in ihrem Ende der Woche veröffentlichten Fortschrittsbericht zum Klimaschutz und zur Energiewende. Laut den vorläufigen Zahlen für 2018 konnten die EU-Länder zwar ihre Treibhausgas-Emissionen um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr drücken. Im Vergleich zu den 1990ern entspricht dies einem Minus von 23,2 Prozent, sodass die eigentlich für 2020 angestrebte 20-Prozent-Marke bereits erreicht wäre. Der Ausblick auf das Ziel 2030 mit einem Rückgang von 40 Prozent fällt aber düsterer aus.

Mit den gegenwärtigen Klimaschutzmaßnahmen könnten die Mitgliedsstaaten bis 2030 nur eine Reduktion des Ausstoßes von Gasen wie CO2 um 30 Prozent verwirklichen, schätzt die EUA. Sollten alle derzeit geplanten zusätzlichen einschlägigen Richtlinien tatsächlich umgesetzt werden, lande man bei 36 Prozent weniger. Auf Basis der Länderberichte für 2019 erreichten nur Griechenland, Portugal und Schweden sicher ihre Klimaziele. Belgien, Frankreich, Kroatien, Italien, die Slowakei, Spanien und Ungarn schafften dies mit schon vorgesehenen Zusatzbemühungen.

Das von der EU-Kommission bereits im Juni gerügte Deutschland liegt mit dem Ausstoß von gut elf Tonnen CO2-Äquivalenten pro Kopf an siebter Position der größten Erzeuger von Treibhausgasen in der EU. Noch schlechter stehen hier etwa Luxemburg, Estland, Irland, Tschechien oder die Niederlande da, während Malta und Lichtenstein vorbildlich sind.

Emissionen aus stationären Anlagen zur Stromerzeugung sind den Zahlen nach um 4,1 Prozent nach unten gegangen, was vor allem am Aus von Kohlekraftwerken gelegen habe. Demgegenüber gehen vier Prozent mehr Treibhausgas-Ausstöße auf das Konto des Flugverkehrs. Den Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix prognostiziert die EUA mit 18 Prozent, sodass auch hier die 2020-Vorgabe von 20 Prozent "in greifbarer Nähe" liege. Im Verkehrs- und Transportsektor habe der Anteil der Erneuerbaren aber nur bei 8,1 Prozent gelegen, was noch recht weit entfernt sei vom Ziel von zehn Prozent für 2020.

Der Anteil sauberer Energien wachse durchschnittlich auch nur mit 0,7 Prozentpunkten pro Jahr, beklagt die Agentur. Nötig wäre ein Plus von 1,1 Prozentpunkten, um bis 2030 insgesamt die anvisierte 32-Prozent-Marke zu knacken.

Mit Sorge erfüllt die Analysten ferner, dass der Energiebedarf von Endnutzern um zum vierten Mal in Folge gestiegen sei, nämlich um 0,1 Prozent. Dies liege vor allem an der Stromabnahme in Gebäuden, die zwischen 2014 und 2017 um 8,3 Prozent nach oben gegangen sei, sowie am Transportbereich mit einem Plus von 5,8 Prozent im gleichen Zeitraum. Bei der kompletten, primären Energienachfrage sehe es mit einem Minus von 0,9 Prozent im vorigen Jahr besser aus.

Trotzdem werde es schwer werden, die Energieeffizienz-Ziele für 2020 und für 2030 mit Einsparungen von bis zu 32,5 Prozent einzuhalten, warnt die EUA. Der Energieverbrauch müsste dafür doppelt so schnell zurückgehen wie zwischen 2005 und 2017. Sie sieht zudem kritisch, dass der Verkauf von Diesel 2017 mit 72,3 Prozent noch den Löwenanteil im Verkehrssektor ausgemacht habe. Insgesamt werde es in diesem Bereich wohl nicht gelingen, Emissionen an klimaschädlichen Gasen vereinbarungsgemäß bis 2020 um sechs Prozent gegenüber 2010 zu reduzieren. (olb)