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EU-Wettbewerbshüter nehmen Amazons Geschäftsmodell in den Blick

Die EU-Kommission will sich ein Bild davon machen, ob es bei Amazon unzulässige Geschäftspraktiken gebe. Eine formale Untersuchung führe man aber noch nicht.

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Margrethe Vestager gibt am Mittwoch in Brüssel unter anderem Auskunft zu Amazon.

(Bild: EU-Kommission/Mauro Bottaro)

Die EU-Wettbewerbshüter nehmen möglicherweise unerlaubte Geschäftspraktiken des US-Onlineversandhändlers Amazon näher in den Blick. "Wir stehen noch ganz am Anfang", sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager am Mittwoch in Brüssel. "Wir befragen Marktteilnehmer und versuchen, ein vollständiges Bild zu erhalten."

Internet-Plattformen wie Amazon hätten eine doppelte Funktion, sagte Vestager. Sie böten eine Plattform für Händler, seien aber auch selbst große Anbieter. Dadurch stelle sich die Frage, was mit den Daten geschehe, die Amazon von den vielen kleineren Händlern erhalte. Wenn sie genutzt würden, um den Service für die Einzelhändler zu verbessern, sei das legitim, sagte die EU-Kommissarin. "Aber werden die Daten auch genutzt, um selbst zu analysieren, was die Leute wollen, was das nächste große Ding sein wird?". Eine formale Untersuchung sei bislang nicht eingeleitet worden, sagte Vestager. "Wir gehen der Sache nach."

In Deutschland entfallen aktuell rund 46 Prozent der Onlinehandels-Umsätze auf Amazon inklusive Amazon Marketplaces, wie aus dem Handelsmonitor des Verbands HDE hervorgeht. Getrennt gesehen steuert die Händlerplattform Market Places 25 Prozent bei, Amazon.de 21 Prozent.

Auch in den USA gibt es Diskussionen, ob die großen Digitalkonzerne wie Amazon durch Regulierung etwa im Wettbewerbsrecht eingehegt werden sollten. Amazon-Chef Jeff Bezos gibt sich laut US-Berichten in der Frage bislang gelassen. Amazon sei "erfindungsreich genug, dass welche Regulierung auch immer uns nicht davon abhalten wird, unsere Kunden zu bedienen", sagte er vergangene Woche bei einer Konferenz in Washington.

Amazon sei auch keineswegs ein Monopolkonzern, da schließlich immer noch 85 Prozent des Handels in der Offline-Welt stattfinde. Abgesehen davon sei es wenig überraschend, dass es Fragen aufwerfe, wenn ein Unternehmen eine Größe wie Amazon erreiche. Große Institutionen jeglicher Art sollten laut Bezos überprüft auch werden: "Wir wollen in einer Gesellschaft leben, in der sich die Menschen Sorgen über große Institutionen machen."

Amazon stand bereits wegen unzulässiger Steuerdeals im Fokus der EU-Wettbewerbshüter. Im vergangenen Jahr erklärte die EU-Kommission eine Regelung Luxemburgs für den US-Konzern für nicht rechtens und forderte die Behörden des Landes auf, rund 250 Millionen Euro plus Zinsen zurückzufordern. Etwa 280 Millionen Euro seien nun eingesammelt worden, sagte Vestager.

Amazon wehrt sich beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen den Beschluss, auch die luxemburgische Regierung legte Beschwerde ein. Der Fall könnte sich noch über Jahre hinziehen. Sollte die EU-Kommission vor Gericht unterliegen, müsste sie das Geld zurücküberweisen. (axk)

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