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EU leitet Wettbewerbsverfahren gegen Intel ein [Update]

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Die EU-Kommission hat gegen Chip-Weltmarktführer Intel ein Verfahren wegen des Verdachts des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung eingeleitet. Nach Angaben der Kommission hat Intel nun zehn Wochen Zeit, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und daraufhin das Recht, seine Argumente in einer mündlichen Anhörung darzulegen. Sollte die Kommission auch nach der Stellungnahme von Intel überzeugt sein, dass das Unternehmen sich wettbewerbswidrig verhalten hat, so kann sie erhebliche Geldstrafen verhängen.

Im April 2001 wurde erstmals bekannt, dass sich die EU-Kommission für das Wettbewerbsverhalten Intels interessiert. Später wurde ersichtlich, dass sich vor allem Intel-Konkurrent AMD bei der EU-Kommission beschwert hatte. Anfang dieses Jahres hatten EU-Mittler empfohlen, ein Wettbewerbsverfahren gegen Intel aufzunehmen. EU-Kommissarin Neelie Kroes agiere aber vorsichtig, denn ein Kartellverfahren gegen Intel könne es an Komplexität und Konfliktpotenzial mit jenem gegen Microsoft aufnehmen.

Die Kommission wirft Intel den Versuch vor, den in Kalifornien ansässigen Mitbewerber Advanced Micro Devices vom Markt für Computerprozessoren fernzuhalten. So habe Intel den OEM-Computerherstellern von Computern Vergünstigungen angeboten, wenn diese nicht von AMD kauften. Auch soll Intel dafür gezahlt haben, wenn OEM-Hersteller den Start eines Produkts mit AMD-Prozessoren verzögert oder abgesagt habe. Außerdem habe Intel bei strategisch wichtigen Kunden Produkte unter den eigenen Kosten geliefert. Jeder der drei Vorwürfe, die die EU-Kommission als Teil einer Gesamtstrategie vermutet, würde einen Missbrauch einer dominanten Marktstellung darstellen.

Jeder dieser drei Vorwürfe sei, sollte er als erwiesen gelten, bereits der Missbrauch einer marktbeherrschenden Position, erklärte die Kommission. Ihrer Ansicht nach "verstärkten die drei Handlungsweisen sich wechselseitig und sind Teil einer übergreifenden wettbewerbsfeindlichen Strategie".

[Update]:
Intel widersprach laut dpa der EU-Kommission heftig. Immerhin werde das Unternehmen nun "die Möglichkeit haben, die Vorwürfe unseres Hauptkonkurrenten zu hören und dazu Stellung zu nehmen", hieß es. Intel betonte, es gehe nicht um Klagen von Kunden. "Der Beweis, dass diese Branche in einem extremen Wettbewerb steht, ist eindeutig", erklärte Intel-Vizepräsident Bruce Sewell. "Wenn Mitbewerber Leistung erbringen, dann belohnt sie der Markt. Wenn sie versagen und zu wenig leisten, dann reagiert der Markt entsprechend." (anw)