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EU plant ICANN-Studie

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Die Generaldirektion Informationsgesellschaft der EU plant für das kommende Jahr eine Studie über die Arbeit der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN). Die Ausschreibung werde im Februar im EU Amtsblatt veröffentlicht, sagte Richard Delmas von der Generaldirektion Informationsgesellschaft am Rande einer Tagung der International Telecommunication Union (ITU) und World Intellectual Property Organisation (WIPO) in Genf.

Im kommenden Jahr stehen für ICANN vor allem zwei wesentliche Entscheidungen an: im März entscheidet die Organisation über ihre endgültige Vorstandsstruktur und startet voraussichtlich eine neue Wahlrunde für einen Teil der Direktoren. Umstritten ist, ob lediglich Domain-Inhaber wahlberechtigt sein sollen und wie viele Direktoren direkt von den Nutzern gewählt werden. Sollte die ICANN sich erwartungsgemäß dafür entscheiden, nur einen Teil der ursprünglich vorgesehenen neun (von insgesamt 19) Direktoren elektronisch wählen zu lassen, dürften internationale Regierungen noch stärker darauf drängen, als öffentliche Vertreter im ICANN-Prozess gehört zu werden.

Außerdem muss die Organisation zu weiteren Auswahlprozessen für neue Top Level Domains Position beziehen. ICANNs Präsident Stuart Lynn hatte im Anschluss an die ICANN-Jahrestagung in einem Interview gesagt, dass der Zeitpunkt dafür noch völlig offen sei.

Die EU-Studie soll sich auch mit diesen Aspekten befassen. Sie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem in einer Reihe von Ländern der Unmut über die US-Zentriertheit der Organisation wächst und kann auch als Signal an die US-Regierung und ICANN gewertet werden. Bei der Konferenz in Genf wurde vor allem von Vertretern aus Asien auch die Frage gestellt, ob eine Änderung der bestehenden Verantwortung für die Ordnung des Domain Name Systems notwendig ist.

"ICANN kann meiner Meinung nach die Aufgabe am besten lösen," sagte demgegenüber ICANN-Direktor Jonathan Cohen gegenüber heise online. An weiteren Verbesserungen der Arbeit werde zudem kontinuierlich gearbeitet. Ob das Interesse der ITU an Fragen der Internationalisierung des DNS ein Versuch ist, sich als mögliche Alternative zu ICANN zu präsentieren, wisse er nicht. (Monika Ermert) / (wst)