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EasyMesh: Wi-Fi Alliance zertifiziert jetzt Mesh-WLAN-Systeme

2016 haben Startups wie Eero und andere Firmen den Herstellerverband Wi-Fi Alliance rechts überholt: Die ersten Mesh-WLAN-Systeme kamen als proprietäre Lösungen auf den Markt, ohne dass die WFA sie zertifizieren konnte. Jetzt erst erscheint ein Testplan.

WLAN

Am heutigen 14. Mai veröffentlicht die Wi-Fi Alliance (WFA) ihre EasyMesh-Spezifikation und versucht damit den rasant an ihr vorbeigezogenen Mesh-WLAN-Markt einzuholen. Solche Systeme sind attraktiv, wenn man größere Wohnungen oder Häuser lückenlos mit schnellem WLAN versorgen will, weil sie sich ohne neue Kabel installieren lassen.

Das EasyMesh der WFA definiert indes kein echtes Mesh-WLAN, bei dem jede Station bedarfsweise Daten für alle anderen weiterleitet, wie es in dem schon seit 2011 existierenden IEEE-Mesh-Standard 802.11s festgelegt ist. Vielmehr bildet es nur eine primitive Relaylösung in Sternstruktur ab: Im Kern sorgt die EasyMesh zugrunde liegende Multi-AP-Spezifikation (Entwurf als PDF) für nicht viel mehr als Kompatibilität zwischen Repeatern.

Als zentrale Instanz in einem EasyMesh steuert eine als Multi-AP-Controller bezeichnete WLAN-Basis – typischerweise der Internet-Router – den Verkehr über Nachrichten an die Multi-AP-Agents. Diese Funktion läuft in allen Access Points eines Netzes. Zur Konfiguration verwendet EasyMesh das IEEE-Protokoll 1905.1, das unterschiedliche Medientypen (Ethernet klassisch, über Powerline Communication (PLC) oder über Koaxkabel für TV/Rundfunk etc.) als gemeinsames, gleichartiges Netz abbildet. So kann ein EasyMesh auch ganz oder teilweise aus drahtgebundenen Abschnitten bestehen. Solche Kabel-Links fördern den Durchsatz, weil dann Datenpakete nicht mehrmals über den geteilten Funkkanal hüpfen müssen.

Die EasyMesh-Architektur der Wi-Fi Alliance sieht einen zentralen WLAN-Controller vor, typischerweise im Router. So entsteht eine Sternstruktur, bei der die Stationen keine Daten für andere weiterleiten – was beim wahren Mesh-Standard IEEE 802.11s von 2011 schon vorgesehen war.

(Bild: WFA )

Seine WFA-externe Herkunft merkt man EasyMesh deutlich an, wenn der Multi-AP Controller Clients zwecks Verbindungsoptimierung von einer WLAN-Basis zur anderen bugsieren will. Anstatt auf die WFA-eigenen Programme Optimized Connectivity und Agile Multiband zu setzen, pickt sich EasyMesh – wie existierende Mesh-WLAN-Systeme auch – einzelne Rosinen aus den IEEE-Normen 802.11k (Radio Resource Measurement) und 802.11v (Wireless Network Management). Ferner behält EasyMesh die alte WPA2-Verschlüsselung bei, obschon sie mittelfristig durch WPA3 abgelöst werden wird. Ironie der Geschichte: Das in WPA3 vorgesehene SAE (Simultaneous Authentication of Equals) wurde mit 802.11s eingeführt.

Heikel an EasyMesh ist, dass erstmals eine Spezifikation unter der WFA-Flagge segelt, deren Entwicklung komplett extern geschah. Anfang September 2017 stellte der WFA-Vorsitzende nämlich die Wi-Fi Alliance eigenmächtig vor vollendete Tatsachen: Er habe mangels Vertrauen in die WFA-Mitglieder beschlossen, einen Entwurf von zwölf extern als Special Interest Group (SIG) organisierten Firmen zur WFA-Norm zu ernennen. Den Protest der Ausgeschlossenen schlicht ignorierend, stellte er so die SIG über alle übrigen WFA-Mitglieder.

Doch vielleicht haben sich die SIG-Mitglieder Arris, Asus, BT, Broadcom, CableLabs, Comcast, Deutsche Telekom, Intel, Liberty Global, Netgear, Qualcomm und Technicolor ihren Marktvorteil nicht rechtzeitig ergaunert: Etablierte, proprietäre Lösungen gibt es zuhauf. Aufgrund des rückständigen EasyMesh-Ansatzes ist nicht ersichtlich, wie die WFA deren Hersteller animieren könnte, auf EasyMesh umzusteigen oder ihre Systeme für Konkurrenz zu öffnen.

Außerdem pfeifen die Spatzen von den Antennen, dass die WFA längst mit der Arbeit an einer EasyMesh-Spezifikation Release 2 begonnen hat. Welche Vorteile Kunden davon haben, jetzt bei EasyMesh einzusteigen, ist folglich nicht erkennbar. Ob die EasyMesh-App des Herstellers A auch EasyMesh-Geräte des Herstellers B steuern kann, muss sich erst noch beweisen. So bleibt von EasyMesh am Ende vielleicht nur der Vertrauensbruch und eine weitere WFA-Spezifikation ohne Widerhall. (Jennifer Li) / (ea)

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