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Ehefrau des Bloggers Raif Badawi: "Meinem Mann geht es nicht gut"

Der saudische Blogger Raif Badawi sitzt wegen Beleidigung des Islam weiter im Gefängnis. Seine Ehefrau sorgt sich, dass er vergessen wird. In Berlin wird an diesem Freitag erstmals ein Preis verliehen, der seinen Namen trägt.

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(Bild: media-alliance.info)

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Die Ehefrau des inhaftierten saudischen Bloggers Raif Badawi, Ensaf Haidar, hat sich besorgt über den Gesundheitszustand ihres Mannes geäußert. "Meinem Mann geht es nicht gut. Seine Gesundheit ist schlecht. Seine psychische Verfassung ist nicht gut", sagte Haidar der dpa. Zugleich forderte sie den Westen auf, mit den Bemühungen für eine Freilassung nicht nachzulassen. "Es ist enorm wichtig, dass Raif nicht vergessen wird. Die Welt muss sein Schicksal im Bewusstsein behalten."

Der Blogger – Vater von drei Kindern – verbüßt in Saudi-Arabien eine zehnjährige Haftstrafe wegen angeblicher Beleidigung des Islam. Außerdem wurde der 31-Jährige zu 1000 Stockhieben verurteilt. Die Hoffnungen auf eine Begnadigung erfüllten sich bislang nicht. An diesem Freitag wird in Berlin erstmals ein Preis verliehen, der nach Raif Badawi benannt ist. Preisträger ist der marokkanische Journalist Ali Anouzla. Die Auszeichnung ist mit 1000 Euro dotiert.

Die Prügelstrafe wurde nach den ersten 50 Hieben, die Badawi im Januar bekam, aus gesundheitlichen Gründen ausgesetzt. Nach Angaben seiner Ehefrau leidet er unter Bluthochdruck. "Aber die Strafe ist nur ausgesetzt, nicht gestoppt", sagte Haidar der dpa. "Die Stockhiebe können jederzeit wieder aufgenommen werden."

Die 35-Jährige lebt inzwischen zusammen mit den Kindern in Kanada. Ihr Mann darf sie ein- oder zweimal pro Woche aus der Haft anrufen, steht dabei aber stets unter Kontrolle. Die Familie hofft auf eine baldige Freilassung, obwohl es dafür keine Signale gibt. Mit einem Flüchtlingspass, den ihm die neue kanadische Regierung zur Verfügung stellen will, könnte Badawi dann sofort nach Kanada ausreisen.

Seine Ehefrau äußerte sich lobend über die Bemühungen der Bundesregierung und anderer Regierungen, über diskrete Gespräche mit Saudi-Arabien eine Freilassung zu erreichen. "Ich glaube, die deutsche Regierung weiß, was sie tut", sagte sie. "Aber genauso wichtig ist es, immer wieder auf den Fall aufmerksam zu machen. Wir brauchen eine Doppelstrategie: Öffentlichkeit und Gespräche hinter den Kulissen."

Saudi-Arabien gehört zu den Ländern, die wegen Verletzung von grundlegenden Menschenrechten immer wieder massiv in der Kritik stehen. Die Hoffnung auf einen liberaleren Kurs unter dem neuen König Salman haben sich bislang nicht erfüllt. Seit Beginn des Jahres wurden in dem extrem reichen Golfstaat so viele Todesurteile vollstreckt wie seit 20 Jahren nicht mehr. Nach Angaben von Amnesty International gab es mindestens 151 Hinrichtungen. (anw)