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Ehemaliger Chef von Vivendi Universal in Untersuchungshaft

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Jean-Marie Messier hat einen langen Weg hinter sich vom Superstar zum gestürzten Engel. Messier, der aus dem französischen Wasserversorger Générale des Eaux durch Übernahmen Vivendi Universal als Konzern in der Spitzengruppe der Medien- und Telekommunikationskonzerne baute, sitzt nun in Untersuchungshaft. Zwei Jahre, nachdem der Ex-Vivendi-Chef angesichts drohender Zahlungsunfähigkeit des Konzerns von seinem Posten zurücktrat, verhafteten ihn die französischen Behörden wegen des Verdachts der Bilanzfälschung. Die französische Justiz ermittelt seit seinem Rücktritt wegen des Verdachts der Manipulation des Aktienkurses 2001 und 2002.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA sollen von Konzern-Managern Vivendi-Aktien im Wert von fast einer Milliarde Euro aufgekauft worden sein, um den Aktienkurs zu stützen. Da in der gleichen Zeit die Vorlage des Halbjahresberichts von Vivendi anstand, wären solche Stützungskäufe nicht rechtmäßig. Bereits seit März dieses Jahres ermittelt die französische Justiz deswegen auch gegen zwei ehemalige Vivendi-Mitarbeiter. Umstritten sind auch bis heute die Abfindungszahlungen, die Messier nach seinem Ausscheiden von Vivendi forderte und zuletzt vor einem US-Gericht durchsetzen konnte, gegen die der Konzern sich aber weiterhin juristisch wehrt.

Bei seiner Einkaufstour im Film-, Fernseh- und Musikgeschäft zahlte Messier Höchstpreise, zuletzt noch im Dezember 2001, als die Medienkrise schon voll im Gang war und er für 11 Milliarden Euro die TV-Senderkette USA Networks von Tycoon Barry Diller erwarb. Als Ergebnis musste Vivendi Universal für 2001 den mit mehr als 13,6 Milliarden Euro höchsten Verlust eines Unternehmens in Frankreich ausweisen. Messiers Nachfolger Jean-René Fourtou hatte bei Vivendi Universal einen harten Sanierungskurs eingeschlagen und versucht, dem Mischkonzern wieder ein klareres Profil zu geben. Dem fielen auch einige von Messier erst zugekaufte Unternehmenssparten zum Opfer: So ging etwa die Unterhaltungssparte Vivendi Universal Entertainment, zu der das Universal-Filmstudio und diverse Fernsehkanäle wie USA Networks zählen, an General Electric. (jk)