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Ehemaliger Richter im US-Kartellverfahren kritisiert Microsoft

Der ehemalige Bezirksrichter Thomas Penfield Jackson hat seine Entscheidung im Kartellverfahren gegen Microsoft vom Juni 2000 verteidigt. In einer Rede am American Antitrust Institute [1] sagte Jackson laut Cnet [2], es wäre richtig gewesen, den Microsoft-Konzern aufzuspalten. Im gesamten Kartellverfahren habe sich gezeigt, dass das Unternehmen uneinsichtig sei und jederzeit beabsichtigt habe, weiter wie bisher zu verfahren.

Windows sei ein Betriebssystem-Monopol. Eine ähnliche Dominanz in der gesamten Software-Branche zu erreichen sei eines der strategischen Ziele von Microsoft, meint Jackson. Daran habe nach seinen Beobachtungen in den vergangenen fünf Jahren nichts geändert. Microsoft habe den Browser-Krieg in den USA gegen den Netscape Navigator gewonnen. Der habe, falls er überhaupt noch verfügbar sei, nur noch einen minimalen Anteil am Web-Browser-Markt.

Jackson hatte Microsoft im April 2000 schuldig gesprochen [3], sein Windows-Monopol missbraucht zu haben. Zwei Monate später folgte er dem Antrag der US-Regierung und von 17 US-Bundesstaaten und verurteilte Microsoft zur Spaltung [4]. Seinerzeit bescheinigte [5] Jackson Microsoft, nicht schuldbewusst und nicht vertrauenswürdig zu sein. Das Unternehmen habe ihm bei der Entscheidung keine andere Wahl gelassen [6]. In einem anderen Verfahren gegen Microsoft legte Jackson im Jahr 2001 den Vorsitz nieder [7], nachdem ihm Befangenheit vorgeworfen wurde. Der Richter hatte Microsoft-Gründer Bill Gates einen Napoleon-Komplex [8] unterstellt. Darin und in anderen Äußerungen Jacksons sahen Rechtsexperten einen schweren Regelverstoß gegen den juristischen Verhaltenskodex.

Das Zerschlagungsurteil gegen Microsoft wurde im Juni 2001 von einem Berufungsgericht aufgehoben [9]. Das neu aufgerollte Kartellverfahren [10] übernahm die Richterin Colleen Kollar-Kotelly. Sie akzeptierte [11] im November 2002 die Einigung [12] zwischen dem Software-Riesen und dem US-Justizministerium und überwacht noch heute die Erfüllung der vereinbarten Auflagen. (anw [13])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-110541

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.antitrustinstitute.org/
[2] http://news.com.com/Former+judge+defends+his+bid+to+break+up+Microsoft/2100-1014_3-5755593.html
[3] https://www.heise.de/meldung/Microsoft-fuer-schuldig-befunden-24470.html
[4] https://www.heise.de/meldung/Microsoft-zur-Spaltung-verurteilt-25119.html
[5] https://www.heise.de/meldung/Richter-Microsoft-nicht-vertrauenswuerdig-und-ohne-Schuldbewusstsein-25240.html
[6] https://www.heise.de/meldung/Richter-Microsoft-Zerschlagung-nicht-bevorzugte-Entscheidung-33611.html
[7] https://www.heise.de/meldung/Jackson-legt-Vorsitz-in-neuem-Prozess-gegen-Microsoft-nieder-34995.html
[8] https://www.heise.de/meldung/Kartell-Richter-Gates-hat-Napoleon-Komplex-29322.html
[9] https://www.heise.de/meldung/Zerschlagungsurteil-gegen-Microsoft-aufgehoben-44003.html
[10] https://www.heise.de/meldung/Zerschlagungsurteil-gegen-Microsoft-aufgehoben-44003.html
[11] https://www.heise.de/meldung/Richterin-akzeptiert-aussergerichtliche-Einigung-im-Microsoft-Prozess-69777.html
[12] https://www.heise.de/meldung/Kartell-Prozess-Microsoft-und-US-Justizministerum-sind-sich-einig-Update-50921.html
[13] mailto:anw@ct.de