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Ehrung für Blogger und Menschenrechtlerin aus Saudi-Arabien

Er hat angeblich den Islam beleidigt und wird dafür in seiner saudischen Heimat mit Gefängnis und Prügel bestraft. Dabei hat der Blogger Raif Badawi nur die Gleichbehandlung aller Menschen eingefordert.

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Raif Badawi

(Bild: Facebook)

Es gibt derzeit keine Anzeichen für eine baldige Freilassung des inhaftierten saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi. Das erklärte seine Frau Ensaf Haidar in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. In ihrer Heimat herrscht nach Angaben der im Exil lebenden 36-Jährigen Funkstille, was ihren Mann betrifft. "Also bleibt uns nur zu hoffen, dass sie ihn früher oder später begnadigen."

Gemeinsam mit ihrem Mann erhält Haidar am (heutigen) Samstag (17.00 Uhr) den mit 10.000 Euro dotierten "Deschner-Preis" für Religions- und Ideologiekritik der Giordano-Bruno-Stiftung. Die Eheleute werden laut Stiftung geehrt für ihren "gemeinsamen, mutigen und aufopferungsvollen Einsatz für Säkularismus, Liberalismus und Menschenrechte, der weit über Saudi-Arabien hinaus Bedeutung hat". Haidar lebt mit den drei gemeinsamen Kindern in Kanada.

Die Laudatio soll der deutsch-arabische Islamkritiker Hamed Abdel-Samad halten, der unter anderem mit seinem Bestseller "Mohamed. Eine Abrechnung" für Aufsehen sorgte. Der Festakt in der Deutschen Nationalbibliothek steht nach Angaben der Organisatoren unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen.

Badawi wurde 2014 wegen angeblicher Beleidigung des Islams zu zehn Jahren Haft und 1000 Stockhieben verurteilt, nachdem er sich in seinem Blog für Gleichbehandlung aller Menschen, unabhängig von Religion und Weltanschauung, eingesetzt hatte. Die ersten 50 Stockhiebe hat der 32-Jährige bereits erhalten, die weitere Bestrafung wurde vorläufig ausgesetzt, offiziell aus Gesundheitsgründen.

Der Fall hat im Westen für Aufregung und Bestürzung gesorgt. Vor einem Jahr hatte SPD-Chef und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel bei einer Reise nach Saudi-Arabien öffentlich über den Blogger gesprochen. Badawi wurde bereits mit dem Sacharow-Preis des Europaparlaments ausgezeichnet und mit dem "Freedom of Speech Award" der Deutschen Welle.

Bei einem Besuch in Frankfurt rief die Menschenrechtsaktivistin deutsche Politiker zu direkten Gesprächen mit der saudischen Regierung auf, in denen sie klar machen müssten, dass Badawi "kein Terrorist ist, dass er nichts Böses verbrochen hat, sondern nur seine Meinung geäußert hat". Und wenn den Machthabern diese Ansichten nicht gefielen, sollten sie ihn "einfach nur gehen lassen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. (uk)

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