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Ein Büro im Reisfeld – Bali wird zum Ziel digitaler Nomaden

Nicht ewiger Sonnenschein

Insofern ist Marion Kutta, die seit August 2016 Mitglied ist, eine Ausnahme. "Ich hatte das Gefühl, mal was anderes machen zu müssen. Und hier ist man offener für andere Kulturen als in Deutschland. Das inspiriert." Mittlerweile hat sie auf Bali noch eine Firma gegründet, die auch schon fünf Filme produziert hat. Finanziell lohnt sich das bislang allerdings nicht. Das Geld kommt noch aus Deutschland.

Außerdem, sagt Kutta, müsse man sich das Leben hier auch nicht als ewigen Sonnenschein vorstellen. "Oft habe ich Schichten bis elf, zwölf Uhr abends. Ich arbeite hier sogar eher mehr als früher." Was sie vermisst: "Zuverlässigkeit. Auch, weil viele nicht lange an einem Ort sind. Manchmal ist es schwierig, Projekte zu Ende zu bringen."

Es gibt aber auch Leute, die in Ubud inzwischen richtig Geld verdienen – wie die Engländerin Clare Harrison (33), die mit ihrer Firma StartMeUp inzwischen auf drei Kontinenten Praktika in Start-up-Unternehmen vermittelt. Aber auch sie sagt: "Das ist nicht alles Kokosnuss und Cocktails hier. Man kann so weit weg von Familie und Freunden schnell zum Workaholic werden."

Wie viele digitale Nomaden genau es derzeit auf Bali gibt, kann niemand sagen. Die Inselbehörden führen keine Statistik – zumal kaum zu unterscheiden ist, wer noch Tourist ist und wer schon Ich-AG. Aber einige Tausend sind es gewiss. Die meisten davon haben nur ein Touristenvisum. Steuern zahlt auch kaum jemand hier. Für Marion Kutta zum Beispiel ist noch das Finanzamt in München zuständig.

Aber so schön das Leben der digitalen Nomaden auf Bali sein kann. Oft ist es auch schneller früher vorbei als gedacht. "Natürlich müssen Leute immer wieder frustriert zurück und arbeiten dann wieder ganz normal im Büro", sagt Munroe. "Ich würde trotzdem nicht von Scheitern sprechen. Jeder hier lernt etwas. Und wenn's nicht klappt, war es wenigstens ein schöner langer Urlaub." (Christoph Sator, dpa) / (kbe)

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