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Ein Jahr "Recht auf Vergessen": Google und Forscher ziehen Bilanz

Ein Jahr nach dem EuGH-Urteil zum "Recht auf Vergessen" hat Google 255.143 Löschersuchen erhalten und 381.049 URLs entfernt. 80 Wissenschaftler rufen nach mehr Transparenz bei dem Vorgehen.

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(Bild: dpa, Martin Gerten)

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Am 13. Mai 2014 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass Google Verweise auf Webseiten mit sensiblen persönlichen Daten aus seiner Ergebnisliste streichen muss. Ein Jahr danach hat der Suchmaschinenanbieter seinen Transparenzbericht zum damit verbundenen "Recht auf Vergessen" aktualisiert und einzelne Beispiele zum Umgang mit Bürgerbegehren veröffentlicht. Insgesamt hat Google demnach aktuell 255.143 Löschersuchen erhalten und darauf basierend 925.586 URLs überprüft.

381.049 Webadressen oder 41,3 Prozent der monierten Webadressen hat der US-Konzern nach eigenen Angaben aus dem Index für seine Auftritte in europäischen Ländern entfernt. Die Daten spiegeln alle Eingaben wieder, seit Google ein entsprechendes Online-Verfahren am 29. Mai 2014 eingeführt hat.

Die Kalifornier erläutern, dass sie bei jedem Antrag "die Datenschutzrechte der Einzelperson gegen das öffentliche Interesse an den Informationen abwiegen". Dazu geben sie je eine kurze Einsicht in 22 Fälle. So sei etwa eine Seite aus den Suchergebnissen für den Namen einer Person gelöscht worden, die in den vergangenen fünf Jahren wegen einer schweren Straftat verurteilt, der Beschluss in der Berufung aber aufgehoben worden sei. Genauso vorgegangen sei man bei einem Artikel, in dem über einen Polit-Aktivisten berichtet wird, der bei einem Protest Opfer eines Messerangriffs wurde.

Nicht entfernt hat der Konzern etwa einen Verweis auf kürzlich veröffentlichte Medienbeiträge über einen hochrangigen ungarischen Beamten, in denen es um eine "vor Jahrzehnten erfolgte Verurteilung" gegangen sei. Weiter weltweit verfügbar in den Suchresultaten ist unter anderem auch ein Artikel über einen französischen Priester, über dem ein Gericht wegen Besitz kinderpornographischen Materials den Stab brach.

80 Forschern aus aller Welt gehen die Transparenzbemühungen der Kalifornier aber nicht weit genug. In einem offenen Brief, den der Guardian am Freitag veröffentlicht hat, verlangen sie nach "aggregierten Daten" zu der Art und Weise, wie Google auf die Anträge reagiert. Sie wollen wissen, ob die "anekdotischen" Beispiele, die das Unternehmen bringt, "repräsentativ" sind für den Prüf- und Löschprozess. Im Einzelnen interessierten sich die Wissenschaftlern, denen aus Deutschland etwa der Juniorprofessor Leonhard Dobusch von der FU Berlin angehört, etwa dafür, ob spezielle Informationskategorien wie zum Gesundheitszustand Betroffener typischerweise ausgelistet und Angaben zu öffentlichen Personen möglicherweise überproportional drin behalten werden. (axk)