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Ein Sicherheitsrat für die DNS-Rootzone?

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Eine Art "Sicherheitsrat" für die Aufsicht über die zentrale Rootzone im Domain Name System haben die US-Anwältin Becky Burr, ehemalige Mitarbeiterin der National Telecommunications and Information Administration (NTIA), und AT&T-Beraterin Marilyn Cade vorgeschlagen. Burr und Cade legten diesen Vorschlag (PDF-Datei) im Rahmen der NTIA-Anhörung zur Zukunft der Netzverwaltung vor, die am morgigen Mittwoch ihren Abschluss in einer öffentlichen Sitzung in Washington findet. Die NTIA will im Rahmen der Anhörung klären, wie es mit der privaten Verwaltung des DNS weitergehen soll, wenn der Vertrag des US-Handelsministeriums mit der Internet Corporation for Assigned Names and Number (ICANN) ausläuft.

Die einseitige Kontrolle der DNS-Rootzone durch das US Handelsministerium gehöre zu den strittigsten Fragen in der ICANN-Debatte, schreiben Burr und Cade. "Die Zeit ist gekommen für die Vereinigten Staaten, ihre zurückbehaltene Autorität über die Rootzone zu internationalisieren und sich damit auch wieder zur Selbstverwaltung durch die Privatwirtschaft und zur Beratungsrolle für die Regierungen zu bekennen."

Wie beim UN-Sicherheitsrat dürfte aber auch bei einem eventuellen Rootzone-Sicherheitsrat umstritten sein, wer einen Sitz in dem Gremium bekommt. Burr und Cade schlagen dafür in einer Liste der Länder oder supranationalen Organisationen vor, die bereits bei den zur ICANN-Gründung führenden Debatten Gesprächspartner der US-Regierung waren. Laut Burr und Cade waren das Australien, Kanada, die EU-Kommission, Japan, Neuseeland und Großbritannien. Insgesamt sollen je drei Vertreter asiatischer, lateinamerikanischer und afrikanischer Länder einen Sitz erhalten. Nordamerika wäre durch Kanada und die USA vertreten, die EU erhielte neben dem Sitz für Großbritannien und die EU-Kommission einen weiteren Vertreter. Der Vorsitzende des ICANN-Regierungsbeirates wäre das 15. Mitglied. Als zu "US-freundlich" wurde diese Sitzverteilung aber in einschlägigen Mailinglisten bereits abgelehnt.

Was die Gemüter aber noch mehr erhitzt, ist der Umstand, dass das Modell von Burr und Cade statt in Richtung Privatisierung in Richtung einer stärkeren Politisierung gehe. Viele Kommentatoren erinnerten daran, dass das ursprüngliche Memorandum of Understanding zwischen ICANN und der US-Regierung gerade eine vollständige Aufgabe der Kontrolle des Regulierers in Aussicht gestellt hatte. Daran wurde die NTIA bei der Anhörung auch von Hunderten von Privatleuten erinnert, die sich an einer E-Mail-Aktion des Internet Governance Project beteiligt hatten.

Allerdings gab es durchaus auch Freunde einer Unterstellung von ICANN unter UN-Aufsicht. Das DNS gehöre in die Hand einer demokratischen Nichtregierungsorganisation, die transparent arbeite, hieß es etwa. ICANN müsse daher unter die Kontrolle der UN gestellt werden. Vielen Internet-Experten aus den Reihen der Internet Society oder der technischen Community lehnen eine UN-Aufsicht dagegen strikt ab.

Burr und Cade wollen den Regierungszugriff übrigens durchaus stark begrenzen. Die US-Regierung solle zwar die Aufgabe des neuen Aufsichtsgremiums festlegen, der Regierungsauftrag aber nicht dazu genutzt werden, Änderungen in der Rootzone anzuweisen, abzusegnen oder zu verweigern – außer, wenn es aus Gründen der Stabilität und Sicherheit des Netzes oder des Domain Name System notwendig sei.

Siehe zur Zukunft der Internet-Verwaltung auch:

(Monika Ermert) / (jk)