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Ein entschiedenes "sowohl als auch": Microsoft zwischen freier Software, intelligenten Bots und traditionellem Windows

Wie schon seit einiger Zeit hat sich Microsoft auch auf der diesjährigen Ausgabe der Entwicklerkonferenz Build wieder überaus offen gegenüber freier Software gezeigt. Windows gehört aber noch lange nicht zum alten Eisen.

Satya Nadella

Es ist schon ein bemerkenswerter Strategie-Mischmasch, den Microsoft auf der diesjährigen Ausgabe der Entwicklerkonferenz Build präsentiert hat: Auf der einen Seite könnte man meinen, Windows als Betriebssystem ist den Redmondern nicht mehr so wichtig wie früher.

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Das Bild, das Microsoft-Chef Satya Nadella von seiner Vision zur Zukunft der Computerei gemalt hat, braucht im Grunde gar kein Betriebssystem mehr, jedenfalls nicht beim Endanwender: Der soll künftig per Schrift oder Stimme, jedenfalls aber in natürlicher Sprache, seine Wünsche äußern und intelligente Bots kümmern sich dann darum, Termine zu machen, Hotelzimmer zu buchen oder Waren einzukaufen. Cortana, die digitale Assistentin von Windows 10, soll den Nutzer dabei unterstützen – schon jetzt beantwortet sie auch auf anderen Systemen Fragen. Ihr Wissen und ihre Intelligenz bezieht sie freilich aus der Microsoft-Cloud.

Apropos Cloud: Als Rückgrat für das Internet der Dinge – neudeutsch IoT – soll sie künftig nicht nur Windows- oder Windows-IoT-Core-Geräten Anschluss bieten, sondern Hardware praktisch beliebiger Herkunft unterstützen. Entwickler können schon mal mit preisgünstigen IoT-Starterkits üben.

Gerade bei Entwicklern scheint es Microsoft allerdings ganz und gar nicht egal zu sein, welches Betriebssystem sie benutzen. Die zwei Top-News der Build zielen jedenfalls darauf ab, Programmierer bei der Windows-Stange zu halten beziehungsweise sie dorthin zurückzubringen. Da wäre zum einen Xamarin: Diesen Software-Hersteller hatte Microsoft erst vor kurzem übernommen. Sein Produkt: ein Framework, mit dem man unter Windows und mit der Microsoft-Entwicklungsumgebung Visual Studio Apps nicht nur für Windows (und Windows Phone) bauen kann, sondern mit weitgehend identischem Quellcode auch für Android und iOS. Diese Bibliothek wird jetzt Open Source und steht ab sofort Visual-Studio-Anwendern selbst dann unentgeltlich zu Gebote, wenn sie die kostenlose Community Edition der IDE verwenden.

Der zweite echte Kracher der Build soll vor allem Web-Entwickler davon abhalten, auf Linux umzusteigen: Sie finden künftig unter Windows 10 nicht nur die Linux-Shell bash vor, sondern ein umfangreiches Subsystem, in dem die meisten textbasierten Linux-Programme laufen sollen, darunter Interpreter für Skriptsprachen oder der Webserver Apache. Anders als bei der Linux-Umgebung Cygwin müssen die Programme dafür nicht eigens für Windows übersetzt werden. Vielmehr kann der Benutzer einfach Binaries aus dem Repository von Ubuntu 14.04 herunterladen und installieren.

Ob das Linux-Subsystem schon Bestandteil des für den Sommer dieses Jahres angekündigten Anniversary Update für Windows 10 wird, ist noch nicht bekannt. Fest vorgenommen hat sich Microsoft dagegen, als einen Schwerpunkt des Updates die Stiftbedienung von Windows zu verbessern. Dazu soll das Betriebssystem eine "Windows Ink" genannte Komponente bekommen, bei der das Zeichnen mit dem Stift unter anderem durch ein virtuelles Lineal erleichtert werden soll. Auch die neue "Sticky Notes"-Anwendung soll Stifteingaben verstehen – sie soll auf Wunsch schon auf dem Anmeldebildschirm erscheinen, sodass man das System gar nicht bis zum Desktop starten muss, um sie zu benutzen.

So ist denn doch zu erkennen, dass Microsoft trotz aller Offenheit gegenüber anderen Systemen noch etwas an der Attraktivität von Windows für den Endanwender liegt. Zumindest auf dem Desktop und auf Tablets – von Windows Phone war während der insgesamt über fünfstündigen Keynotes nichts zu sehen und zu hören.

(hos)

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