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Ein langer Weg bis y.com

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Millionenbeträge und Domainauktionen – davon schwärmten rund um das Treffen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) schon eine Reihe von Unternehmen, darunter auch die Domainbörse Sedo. Die private Netzverwaltung werde noch in Vancouver den Vorschlag prüfen, ob im nächsten Jahr Adressen mit nur einem Buchstaben für die Second-Level-Domain (etwa a.com, b.info oder c.biz) auf den Markt kommen sollen, hieß es.

Diese Art von Adressen, seit 1993 untersagt, wären extrem wertvoll, meinte Sedo-Geschäftsführer Tim Schumacher. Im Hintergrund habe daher das Rennen um die besten Startpositionen um die ja zahlenmäßig recht begrenzten Adressen schon begonnen. Yahoo etwa, so will die Bostoner Niederlassung von Sedo erfahren haben, versuche sich durch die Eintragung einer Wortmarke y.com einen Vorsprung zu verschaffen.

ICANNs Präsident und CEO Paul Twomey sagte allerdings auf Anfrage von heise online, das Thema stehe nicht auf der Tagesordnung des Direktoriums: "Die Debatte um mögliche Regeln dafür muss erst gestartet werden." ICANNs Verfahren zur Entwicklung von neuen Regeln, der so genannte Policy Development Process, ist recht vertrackt und kann dauern: Das haben nicht zuletzt die Fragen zur Einführung neuer Top Level Domains gezeigt: Daran bastelt man schon ein mehrere Jahre dauerndes Weilchen.

Ein bisschen schneller vorwärts gehen könnte es nun bei den internationalisierten Domains (IDN, Internationalized Domain Names). Twomey kündigte in einem Pressegespräch an, dass ICANN wie schon bei der Einführung der internationalisierten Second-Level-Adressen – also beispielsweise müller.com – einen Versuch unter .test beziehungsweise rund einem Dutzend Nicht-ASCII-Varianten zu .test starten will. Ein eigens eingesetztes ICANN-Expertenkomitee soll den Test vorbereiten.

Beim ersten IDN-Test hatte es am Ende großen Ärger gegeben, da VeriSign die unter dem Testlabel registrierten, vor allem chinesischen .com-Adressen im später revidierten Standard einfach weitergeführt hat. Auch für die IDN.IDN-Variante der Domains (also die Internationalisierung sowohl bei Second- als auch bei Top-Level-Domains) zeichnet sich nach Einschätzung von Ram Mohan, CTO des Registry-Dienstleisters Afilias, ein Konflikt schon ab.

China hat seit Jahren bereits eine chinesische Variante von .com im Test. VeriSign plädiert nun dafür, per DNAME-Übersetzung Nicht-ASCII-Varianten von .com auf die eigentliche .com.Domain zu umzuleiten. Der Idee, Vereinheitlichung in einem Sprachgrenzen überschreitenden DNS zu schaffen, steht dabei der Anspruch der Nicht-englischsprachigen Länder entgegen, jetzt auch einmal an der Reihe zu sein. "Die Technologie hinter der Internationalisierung ist nicht so kompliziert, vieles ist schon gut definiert", meint Mohan. Die Politik aber, wie es umgesetzt werden soll, dürfte für eingehende Debatten sorgen. (Monika Ermert) / (jk)