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Eine Million Artikel in Wikipedia

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Wikipedia, das Enzyklopädie-Projekt, bei dem jeder Internetnutzer nicht nur Artikel lesen, sondern auch schreiben und bearbeiten kann, wird siebenstellig. Am Freitag wurde der millionste Artikel bei dem freien Enzyklopädieprojekt eingereicht und nunmehr offiziell bestätigt. Inzwischen existieren Wikipedia-Projekte in über 100 Sprachen, 14 davon haben mehr als 10.000 Artikel. Die deutsche Ausgabe ist mit über 140.000 Artikeln an zweiter Stelle hinter der englischen Ausgabe mit 350.000 Artikeln. Welcher Artikel genau die Millionengrenze knackte, ist unklar. Einerseits wollte man keine Sprache besonders herausstellen, andererseits wäre dies technisch sehr aufwendig gewesen, da im Online-Projekt permanent Artikel hinzukommen und gelöscht werden. "Die gesamte Wikipedia ist rund um die Uhr in Bewegung", erklärt Wikipedia-Gründer Jimmy Wales.

Mit dem neuen Meilenstein hat sich das exponentielle Wachstum des freien Enzyklopädieprojekts fortgesetzt. Seit der Veröffentlichung des fünfhunderttausendsten Artikels sind gerade einmal acht Monate vergangen. Die Wachstumsraten sind zweistellig, täglich kommen über 2000 Artikel hinzu. Über 24.000 Wikipedianer haben bisher an dem Projekt mitgearbeitet.

Um der Belastung standzuhalten, wurden immer neue Server bereitgestellt -- zur Zeit sind es über 20. Insgesamt hat die Wikimedia-Foundation bisher über 100.000 Dollar an Spenden eingenommen, die zum größten Teil in neue Hardware investiert wurden. Doch die neuen Server sind regelmäßig schon kurz nach der Inbetriebnahme voll ausgelastet. In Kürze werden in Paris drei Squid-Server in Betrieb genommen, die die Webseiten an europäische Nutzer ausliefern sollen. Der aktuelle Spendenaufruf soll weitere 50.000 Dollar zur Finanzierung der werbefreien Enzyklopädie einbringen.

Nicht nur die Artikelanzahl steigt stetig -- auch die Zahl der Projekte in und um die Wikipedia nimmt zu. Heute wird unter Wikipedia.ch das Schweizer Portal in Betrieb genommen, das die Eidgenossen in allen Landessprachen begrüßt.

Um die Koordination und Information über Länder- und Sprachgrenzen hinweg zu gewährleisten hat die Wikipedia-Gemeinschaft nun einen Rundbrief entwickelt, der vier Mal im Jahr in 12 verschiedenen Sprachen über Neuigkeiten informiert. In der Erstausgabe berichten die Wikipedianer von dem ersten Projekt, die Wikipedia als CD herauszugeben. Mitte Oktober wird der Verlag Directmedia Publishing in der Reihe Digitale Bibliothek eine CD mit den deutschen Inhalten der freien Enzyklopädie herausgeben. Der Verlag will mindestens 30.000 CDs an alle registrierten Anwender verschenken, um eine neue Version seiner Software DigiBib zu bewerben. Auch über den Buchhandel soll die CD vertrieben werden.

Um die CD-Ausgabe zu erstellen, wurde Anfang September ein Schnappschuss der deutschen Wikipedia erstellt, die zur Zeit in einem separaten Wiki überarbeitet wird. Dabei entfernen rund 30 freiwilligen Helfer beispielsweise alle Artikel, deren Neutralität angezweifelt wurde und Bilder, deren Herkunft nicht ausreichend belegt war. Soweit möglich, werden auch Artikel verbessert. Diese Konsolidierung dauert voraussichtlich einen Monat.

Directmedia Publishing stellt der Wikipedia ein gutes Zeugnis aus. "Das System erstaunt zunächst, bei näherem Hinsehen überzeugt es aber", sagt Pressesprecherin Gertraud Götz. Im Großen und Ganzen seien die Inhalte verlässlich, nach der Qualitätskontrolle ist der Verlag überzeugt, dass die freie Enzyklopädie in ihr Repertoire passt, das auch diverse andere Lexika umfasst. Eine aktuelle Enzyklopädie fehlte "aus lizenzrechtlichen Gründen" in der bisherigen Sammlung. Da alle Wikipedia-Inhalte der Gnu Free Documentation Licence unterliegen , ist eine kommerzielle Verwertung problemlos möglich. Ende des Jahres wird eine englische und französische Offline-Fassung der Wikipedia auf einer DVD des Linux-Distributors Mandrake ausgeliefert werden.

Obwohl sich die Wikipedia selbst noch als ein "Projekt zur Erstellung einer Enzyklopädie" bezeichnet, wird sie keine vier Jahre nach Projektbeginn oft als Konkurrenz zu etablierten Werken wie der Encyclopedia Britannica oder dem Brockhaus gehandelt. In letzter Zeit gab es allerdings wiederholt Auseinandersetzungen zu der Frage, ob die Wikipedia als Quelle für verlässliche Informationen dienen kann. Durch das offene Konzept des Projekts kann jeder die Inhalte der Enzyklopädie verändern und damit auch Fehler einbringen. Innerhalb der Wikipedia gibt es zahlreiche Bestrebungen, die Qualität der Artikel durchgängig zu steigern. So wurde in dieser Woche in der deutschen Wikipedia ein Schreibwettbewerb ausgelobt, der Autoren hochwertiger Artikel belohnen soll. Bisher wurden 60 Artikel eingereicht, die am Ende von einer fünfköpfigen Jury bewertet werden.

Projekte wie die Auslese Exzellenter Artikel gehen aber eher schleppend voran: In der deutschen Ausgabe wurden bisher nur knapp 200 von 140.000 Artikeln in diese Kategorie aufgenommen. Für die kommende Version 1.4 der Software Mediawiki wurden bereits erweiterte Möglichkeiten zur Bewertung von Artikeln angekündigt. Die Erfahrungen bei der Konsolidierung der Artikel für die Offline-Ausgaben und die Reaktionen darauf werden wohl über die zukünftige Marschrichtung entscheiden. Wo Wikipedia in einem Jahr steht, wagt noch niemand vorherzusagen. (Torsten Kleinz) / (jk)

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