Einschlag auf "Didymoon": ESA und NASA testen Asteroiden-Abwehr

Große Pläne für kleine Planeten: Die Weltraumagenturen ESA und NASA rücken Asteroiden auf den Leib. Zum Schutz der Menschheit sollen Himmelskörper aus der Bahn gebracht werden.

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Geplante Esa-Sonde

(Bild: Esa)

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  • Christina Horsten und Gerd Roth, dpa

Der Asteroid "Didymoon" hat vermutlich eine atemberaubende Karriere vor sich. Zumindest haben die europäische Weltraumorganisation ESA und das US-amerikanische Gegenstück NASA große Pläne mit ihm. Sie wollen "Didymoon" aus seiner Bahn bringen.

Der Test gehört zu einer Reihe von Projekten, die ein Ziel verfolgen: Die Abwehr von Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde. Die ESA fasst die Bedrohung in Zahlen: Mehr als 600.000 Asteroiden sind in unserem Sonnensystem bekannt, gut 12.000 davon gelten als erdnahe Objekte (Neos). Ihre Umlaufbahnen kommen der Erde relativ nah. Der Pariser ESA-Experte Ian Carnelli schätzt rund 30 bis 40 Asteroiden als "gefährlich" für die Erde ein.

Die Esa-Sonde (AIM) soll den Aufprall der Nasa-Sonde auf Didymoon beobachten.

(Bild: Esa)

Mit dem Thema befasst sich auch eine fünftägige Konferenz der internationalen Akademie für Astronautik am ESA-Standort Esrin in Frascati bei Rom, die an diesem Montag beginnt.

ESA und NASA wollen mit einer Sondenattacke auf "Didymoon" wichtige Daten darüber sammeln, wie Asteroiden auf Einschläge reagieren. Die ESA schickt dazu mit der 200 Millionen Euro teuren Asteroid Impact Mission (AIM) im Oktober 2020 per Sojus-Rakete aus Kourou eine Sonde auf den Weg zu den Didymos-Zwillings-Asteroiden. Der größere Zwilling durchmisst 800 Meter, umkreist wird er von einen Asteroiden mit 170 Metern Durchmesser – dem "Didymoon".

"Der Flug dauert rund eineinhalb Jahre, die Sonde muss im Oktober 2022 vor Ort sein", sagt AIM-Projektmanager Carnelli. Dann sind die Asteroiden mit elf Millionen Kilometer laut ESA "vergleichsweise nahe" an der Erde.

Die Sonde soll beobachten, Satelliten aussenden, Daten sammeln und ein Landemodul auf "Didymoon" schicken – erstmals wieder, seit die Landeeinheit "Philae" von der Raumsonde Rosetta 2014 auf einem Kometen landete.

Ebenfalls Ende 2022 soll eine Sonde der NASA bei den Himmelskörpern ankommen und mit sechs Kilometern pro Sekunde direkt auf "Didymoon" aufprallen. "Der Einschlag wird den Asteroiden um etwa einen halben Millimeter pro Sekunde verlangsamen", sagt Carnelli. So könnten sich Umlaufbahn und Rotation von "Didymoon" verändern.

Die ESA-Sonde soll die Asteroiden weiterhin vom All aus beobachten. Die Vorher-Nachher-Vergleiche sollen wichtige Erkenntnisse über die Reaktionen eines Asteroiden auf einen solchen Einschlag bringen. Auf die theoretischen Berechnungen soll somit praktisches Wissen folgen, das nach Einschätzung Carnellis künftig zur Abwehr von Asteroiden genutzt werden kann.

Die NASA hat noch weitere spektakulärere Pläne: Im Rahmen der rund eine Milliarde Dollar teuren "Osiris Rex"-Mission soll im Herbst 2016 ein Raumschiff starten und 2018 auf den Asteroiden "Bennu" treffen.

2023 soll das Raumschiff zur Erde zurückkehren – mit mindestens 60 Gramm Asteroiden-Proben an Bord. "Bennu" könnte im Jahr 2182 der Erde gefährlich werden, auch wenn die Chance eines Zusammenstoßes nur bei 1 zu 1800 liegt. Damit ist er nach NASA-Angaben aber trotzdem der derzeit für die Erde gefährlichste bekannte Asteroid. (cwo)