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Technology Review

Eisige Kälte rettet Leben

Es klingt wie Science-Fiction: Mediziner wollen das Blut von Schwerverletzten gegen eine Kältelösung tauschen, um ihre Überlebenschancen zu steigern. Bei Tieren funktioniert es bereits.

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Eisige Kälte rettet Leben

Hat ein Patient die Hälfte seines Blutes oder mehr verloren, entscheiden Minuten über Leben und Tod. Viele Wunden seien leicht zu vernähen, sagt Rhee. „Aber die Chirurgen brauchen Zeit.“ Die haben sie bei einem massiven Blutverlust nicht. Wie sich kostbare Stunden gewinnen lassen, haben Rhee und sein früherer Forschungspartner Samuel Tisherman in spektakulären Tierversuchen gezeigt, schreibt Technology Review in seiner neuen Ausgabe (ab sofort am Kiosk und im Heise-Shop erhältlich).

Sie fügten Schweinen unter Vollnarkose schwere Verletzungen zu, um die Blutungen eines Ernstfalles nachzustellen. Simultan wurde ihnen über einen Schlauch zwei Grad kalte Kochsalzlösung in die Hauptschlagader gespült. Innerhalb von drei Minuten sackte die Körpertemperatur auf zehn Grad Celsius. „Das Herz schlägt nicht mehr, kein Atem geht, das Gehirn arbeitet nicht mehr und kein Blut ist mehr vorhanden. Wenn ein Organismus so stark heruntergekühlt ist, würde wohl jeder sagen: Das Lebewesen ist tot“, sagt Tisherman, der inzwischen das Shock Trauma Center der University of Maryland in Baltimore leitet.

Doch sobald der Chirurg die Wunden verschlossen hat und die Gefäße wieder mit warm gehaltenem Blut füllte, begann das Herz der Tiere zu schlagen. Bei späteren Verhaltenstests zeigte keines der Borstentiere neurologische Auffälligkeiten. Tisherman hat bereits die Erlaubnis, die Methode an Menschen zu erproben. Gemeinsam mit den Kollegen in Pittsburgh will er in einer Studie zehn Patienten mit schweren Schusswunden und Unfallverletzungen behandeln.

Mehr zum Thema in der aktuellen Ausgabe von Technology Review (im Heise-Shop erhältlich):

(vsz)

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