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El Chapo als Star? Dank Netflix immer mehr Drogenbosse in Film und Fernsehen

Den Mythos um Drogen-Barone wie El Chapo halten in Lateinamerika Autoren von Serien, Filmen und Musik aufrecht. Auch Netflix steigt in das Geschäft ein.

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(Bild: Netflix)

Es dauerte nicht lang, da tauchten zum Prozess gegen den Drogenboss El Chapo in New York die ersten Touristen auf. Schaulustige, die den Mann mit bürgerlichem Namen Joaquín Archivaldo Guzmán Loera aus nächster Nähe erleben wollten. Das Verfahren gegen Guzmán läuft noch, ihm droht lebenslange Haft. Doch aufgrund von Filmen, TV-Serien und Musik wird der mutmaßliche Schwerverbrecher, der für bis zu 3000 Morde verantwortlich sein soll, zum Mythos verklärt. Für Hollywood ist seine Geschichte ein gefundenes Fressen.

Die Welt des illegalen Drogenhandels bietet Drehbuchautoren erstklassigen Stoff über tonnenweise Suchtstoffe wie Kokain, Auftragskiller, abgebrühte Drogenfahnder und Schauplätze im kolumbianischen Dschungel oder staubigen Niemandsland zwischen den USA und Mexiko. Es geht um Macht, sehr viel Bargeld und das Überleben der Beteiligten oder Familienangehörigen. Erst vergangene Woche war im Prozess gegen El Chapo etwa bekannt geworden, dass der Drogenboss sein engstes Umfeld mit Spyware überwacht hatte.

Schauspieler Al Pacino machte im Film "Scarface" 1983 den Anfang: In der Rolle des kubanischen Drogen-Chefs Tony Montana begründete er im Rückblick eine ganze Sparte von Filmen und Serien. Steven Soderberghs "Traffic" (2000), "Blow" (2001) mit Johnny Depp und Penélope Cruz oder "Sicario" (2015) nutzten den Kampf gegen Drogengeschäfte als Vorlage.

Dank der unerschöpflichen Content-Maschinerie beim Streamingdienst Netflix ist die Gattung zur Höchstform aufgelaufen. Methamphetamin-Labors dienten bereits in den fiktiven Serien "Breaking Bad" und "Better Call Saul" als Lockstoff für Zuschauer. Mit den Serien "Narcos" und "El Chapo" erzählt Netflix nun auch die Geschichte der beiden Drogenkönige Pablo Escobar und Joaquín El Chapo Guzmán in dramatisierter Form nach. "Es ist ein neues Genre geworden, das sieht man", sagte Schauspieler Benicio Del Toro dem Guardian im Sommer. "Sie entwickeln sich zum neuen Western."

Filme wie "Escobar: Paradise Lost", "Savages" und "Sicario" zeigen, wie weit die USA bei ihren Ermittlungen teils gehen in einem Krieg, der seit den 1980er Jahren tobt und sich kaum gewinnen lässt. Die Darstellung von Lateinamerikanern ist dabei oft mehr als fragwürdig. Gezeigt würden Fratzen schneidende Gangmitglieder mit starkem Akzent oder Geheimtreffen auf mexikanischen Haciendas mit Tequila und "Latinas in Bikinis als Augenschmaus am Poolrand", fasst die New York Times zusammen. In den USA drehe sich die Geschichte der 57 Millionen Latinos jedoch meist nicht um Drogen, sondern um Ungleichheit und den Kampf für ein besseres Leben.

Dass sich Realität und Fiktion nah beieinander liegen können, zeigt der Fall von Roberto Escobar: Der Bruder des kolumbianischen Kokainbarons Pablo Escobar will mithilfe der Einnahmen einer neuen Kryptowährung ein Amtsenthebungsverfahren des US-Präsidenten Donald Trump finanzieren.

In Lateinamerika halten Autoren von Serien, Filmen und Musik die Mythen über Drogen-Barone aufrecht. In Mexiko ist ihnen ein ganzes Musikgenre gewidmet: In den sogenannten "Narcocorridos" werden auf Mariachi- und Polka-Melodien Gewalt und Exzesse mit Rauschgift und Frauen besungen und die Kartellchefs wie Helden gefeiert – was dazu führte, dass die mexikanische Regierung die Übertragung der Drogen-Balladen in den Radios verbot.

Nelson Martinez, Produzent der Serie "El Capo" beim Sender "Mundo Fox", sagte vor einigen Jahren: "Es ist verblüffend, wie ein Anti-Held wie ein Drogenschmuggler das Publikum in seinen Bann zieht – er ist gleichzeitig komplex und doch menschlich, und deshalb verlieben sich die Leute in ihn."

Über El Chapo gibt es etliche Lieder, die meist anerkennend seinen Aufstieg aus der Armut bis an die Spitze des Sinaloa-Kartells thematisieren. Auch Guzmáns Ausbruch aus dem Hochsicherheitsgefängnis Altiplano 2015 durch einen Tunnel in der Dusche in seiner Zelle wird besungen. Im Lied "El Chapo Otra Fuga Mas" (auf Deutsch etwa: Noch ein Ausbruch von El Chapo) heißt es: "Den Chapo einzufangen war ein Skandal – aber gut gekämmt und durch das Bad ist der Herr wieder gegangen."

Auch lateinamerikanische Telenovelas wie "Las Muñecas de la Mafia" (Die Mafia-Puppen) oder "El Cartel de los Sapos" (Das Kartell der Verräter) sind von "drogas" durchzogen. Auch hier gilt: Sensationen, Gewalt und Konflikte gepaart mit menschlichen Stärken und Schwächen ziehen beim Zuschauer. (jula)

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