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Elektro-Lastverkehr: Daimler stellt sich gegen Oberleitungen

Daimler hat sich in Sachen Elektro-Lastverkehr offenbar festgelegt. Der Konzern setzt auf rein batterieelektrisch angetriebene Lkw.

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Elektro-Lastverkehr: Daimler stellt sich gegen Oberleitungen

(Bild: dpa)

Drei Testprojekte mit Oberleitungen für Lkw fördert derzeit die Bundesregierung. Mit Daimler stellt sich ein großer Hersteller von Lastkraftwagen nun gegen diese Technik, heißt es in einem Zeitungsbericht. Der Konzern setze auf Elektro-Lkw mit reinem Batterie-Antrieb.

"Es gibt bereits ein ähnliches System zum Gütertransport mit Oberleitungen, das sehr gut funktioniert: Es heißt Deutsche Bahn", sagte ein Daimler-Sprecher der Zeitung Die Welt. Mit dem elektrischen Actros habe das Unternehmen ein "flexibles und jetzt schon verfügbares Konzept — ohne teure, aufwendige und langwierige Planungsmaßnahmen". Prototypen des eActros werden gerade probegefahren. Ab 2021 soll der Elektro-Lkw in Serie gehen.

Ein Ladesäulennetz für E-Lkw sei leichter aufzubauen, als Autobahnen mit Oberleitungen zu überspannen, heißt es laut Bericht von Daimler. Straßen mit stromführenden Leitungen auszustatten sei extrem planungs- und kostenintensiv. Auch sei fraglich, wer das Netz betreiben solle. Insgesamt könne der gesamte Plan viel Zeit beanspruchen.

Voriges Jahr hieß es, Daimler wolle sich in Baden-Württemberg an dem dortigen Oberleitungs-Pilotprojekt beteiligen. Allerdings schrieb Daimler im Februar dieses Jahres dazu: "Daimler arbeitet als globaler Hersteller an Zukunftslösungen, die weltweit eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Umsetzung haben. Diese sieht das Unternehmen im Augenblick bei der Oberleitung aufgrund ihrer hohen Infrastrukturkosten nicht – auch angesichts der rapiden Entwicklung der Batterie- und Brennstoffzellentechnik." Mit seinem eActros beteiligt sich der Autokonzern in dem Projekt unter anderem in einem Vergleichslauf zum Oberleitungs-Lkw.

Oberleitungen sehen Experten von der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (ZPM) in ihrem Zwischenbericht als eine Option für Antriebsalternativen. "Bei entsprechender Ausstattung stark frequentierter Autobahnen sowie Zufahrtsstrecken zu Umschlaganlagen des kombinierten Verkehrs könnten Lkw mit hohen Tagesfahrleistungen elektrisch angetrieben werden", heißt es darin. Durch die direkte Stromnutzung besitze diese Technik einen hohen Wirkungsgrad, was gerade im Güterverkehr wichtig sei. Es gebe aber noch einige "relevante Herausforderungen".

In Hessen war Ende vorigen Jahres der erste Elektro-Lkw auf einer Pilotstrecke mit Oberleitung unterwegs, ein weiteres Projekt läuft in Schleswig-Holstein.

Elektro-Lastwagen von Daimler (6 Bilder)

Der eActros soll 2021 in Serie gehen.
(Bild: Daimler
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Scania und Siemens kooperieren bei Lkw an der Oberleitung (6 Bilder)

Scania kooperiert seit September 2014 mit Siemens für die Entwicklung von Oberleitungs-Lkw. Hier fährt einer auf der eHighway-Teststrecke in Groß Dölln.
(Bild: Siemens)

(anw)