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Elektro-Rikschas: Indiens chaotischer Weg in die E-Mobilität

Eine Rikscha, die einer vorne zieht – das war gestern. In Indien setzen immer mehr Fahrer auf Elektro-Rikschas. Doch vieles ist noch chaotisch und improvisiert.

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Traditionelle Rikscha in Indien.

(Bild: pixaba.ycom)

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Wer in Indiens Hauptstadt Neu Delhi günstig die letzten Kilometer zurücklegen will, fährt elektrisch. Genauer gesagt mit einer Elektro-Rikscha. Und diese will sich Kanzlerin Angela Merkel als Teil einer Indien-Reise am Samstag anschauen. Könnten die Elektro-Taxis helfen, unseren CO2-Ausstoß zu verringern und unsere Klimaziele zu erreichen? Am Freitag zumindest hatten Merkel und Indiens Premierminister Narendra Modi angekündet, stärker in Bezug auf nachhaltige Mobilität der Zukunft zusammenzuarbeiten.

In Indien nutzen Schätzungen zufolge 60 Millionen Menschen jeden Tag die mindestens 1,5 Millionen bunten Elektro-Taxis. Und es werden immer mehr. Die zwei, drei Kilometer von der Metro zur Arbeit kosten die Passagiere rund 10 Rupien, etwa 13 Cent. Für sie ist das um ein Vielfaches günstiger als die mit Benzin betriebenen schnelleren Rikschas.

E-Rikschas gibt es in Indien seit gut zehn Jahren. Damals importierten Hersteller günstig Teile aus China, heute werden sie auch von heimischen Produzenten beliefert. Die E-Rikschas wurden gekauft – obwohl es seinerzeit noch gar keine Ladestationen und staatlichen Anreize gab, wie Mobilitätsforscherin Megha Kumar vom indischen Energy and Resources Institute sagt. Für viele Fahrrad-Rikscha-Fahrer sei es ein willkommener Aufstieg gewesen – und günstiger als die benzinbetriebenen Rikschas.

Das sagt auch der 49 Jahre alte Amar Singh, der vor zwei Jahren umgestiegen ist. "In meinem Alter wurde es mir einfach zu anstrengend, immer in die Pedale zu treten."

Und für das Ladeproblem haben die Inder schnell eine Lösung gefunden – etwas chaotisch und improvisiert, wie so oft in dem Land. Singh zeigt den E-Rikscha-Parkplatz, wo er in der Nacht oft seine Batterien lädt – für umgerechnet etwa einen Euro. Der Ort befindet sich in einem ärmeren Viertel in Neu Delhi. Die Betreiber sagen, sie zapften direkt die Stromleitungen an. Viele Fahrer würden ihre Batterien auf ähnlich illegale Art laden, weiß Kumar. Stromanbieter beklagen das Treiben, wie lokale Medien berichten.




Doch E-Rikschas werden immer beliebter – auch weil die indische Regierung inzwischen Käufer unterstützt. Für ein Gefährt, das je nach Hersteller rund 1200 bis 1900 Euro kostet, gibt es knapp 380 Euro. So liegt Indien bei Elektrofahrzeugen inzwischen nach China an zweiter Stelle, wie es in einem Bericht der International Energy Agency (PDF-Datei) heißt.

Die Luft der Großstädte Indiens ist schmutzig. Ganz sauber sind aber auch E-Rikschas nicht – denn in Indien besteht der Strommix ähnlich wie in Deutschland noch zu einem beträchtlichen Teil aus Kohle, was CO2 verursacht.

Kurvt man mit einer E-Rikscha durch die staubigen Straßen, wird es auf der Rückbank heiß. Die Batterien erhitzen sich teils erheblich – und das bei oft schweißtreibenden indischen Temperaturen. Hinzu kommt ein Problem, das auch bei E-Autos bedacht sein will: die Entsorgung.

Für E-Rikschas werden zudem oft alte Bleibatterien genutzt, die gerade mal ein halbes Jahr halten, wie Chemikalienspezialist Satish Sinha der Umweltgruppe Toxics Link sagt. Die Fahrer verkauften sie dann an Wiederverwerter, die daraus wieder das Schwermetall gewinnen – wodurch oft giftige Gase entstünden, die ohne große Sicherheitsvorkehrungen in die Umwelt gelangten. Auch Wasser und Erde würden verschmutzt.

Aber inzwischen suchen große Firmen Lösungen für diese Probleme. Dabei setzen sie etwa auf E-Rikschas mit modernen, länger haltbaren und teureren Lithium-Ionen-Akkus, die auch für Elektro-Autos benutzt werden.

Deutsche Bahn testet E-Tuktuks für Mitarbeiter

(Bild: deutschebahn.com)

Der Service, mit dem Nutzer ein Elektro-Fahrzeug samt Fahrer zu sich bestellen können, ist zunächst exklusiv für Bahn-Mitarbeiter verfügbar. Dabei handelt es sich um einen ersten Test, um das Projekt auf den Kundeneinsatz vorzubereiten.

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Der indische Konkurrent des Fahrdienstvermittlers Uber baute etwa Batteriewechselstationen, wo Fahrer ihre leeren Batterien gegen aufgeladene tauschen können. Ein anderes Unternehmen, SmartE, arbeitet mit der Metro von Neu Delhi zusammen und will den E-Rikscha-Dienst professionalisieren mit einer einheitlichen Flotte mit Fahrern in gleichen Firmen-T-Shirts.

Mittlerweile gibt es E-Rikschas auch in Europa. In Berlin und anderen Städten etwa fahren damit Touristen. So alltagstauglich wie in Indien und anderen asiatischen Städten sind sie aber nicht - wohl auch, weil Menschen in Deutschland es gewohnt sind, die letzten Meter zu laufen. (tiw)