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Elektroautos: Bundesregierung führt 4000 Euro Kaufprämie ein

Rein elektrisch betriebene Autos will die Bundesregierung mit einer Kaufprämie in Höhe von 4000 Euro fördern. Luxusschlitten allerdings nicht.

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Ladestation in der Bremer Innenstadt

(Bild: heise online / anw)

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Bundesregierung und Autoindustrie haben sich auf Kaufprämien für Elektroautos geeinigt. Um die schleppende Nachfrage anzukurbeln, soll es für reine E-Autos Zuschüsse von 4000 Euro geben, für Plug-in-Hybride 3000 Euro, teilte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit.

Die Prämie soll schon im nächsten Monat eingeführt werden und bis 2020 laufen. Der Bund stellt dafür insgesamt 600 Millionen Euro bereit. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, die Förderung reiche für 400.000 Autos.

Prämien sollen nur für Modelle mit einem Listenpreis von maximal 60.000 Euro für ein Basismodell möglich sein. Die Prämie werde nach dem Windhundverfahren vergeben. Es gelte also das Prinzip: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", sagte Schäuble.

Umweltverbände kritisieren die Kaufprämien scharf. "Eine Prämie für Umweltversager ist absurd", sagte Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup am Dienstag. "Jahrelang haben die deutschen Hersteller gegen strenge Grenzwerte lobbyiert und Abgastests schamlos geschönt, anstatt sauberere Autos zu entwickeln."

"Nicht mal eine Woche, nachdem fast alle Autohersteller viel zu hoher Abgaswerte bei Diesel-Fahrzeugen überführt wurden, soll jetzt mit Steuergeldern der Kauf von Elektroautos subventioniert werden", kritisierte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Statt dessen sollten Autos mit sehr geringen Emissionen gefördert werden.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger forderte, die Bundesregierung müsse sich vom Ziel verabschieden, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen. Die Zahl allein entscheide nicht über den Nutzen elektrisch betriebener Autos für den Klima- und Umweltschutz. Auch der Bund der Steuerzahler lehnte Kaufzuschüsse ab. Die Gewinne einiger Autokonzerne seien höher als die Etats der subventionierenden Ministerien, sagte Verbandschef Reiner Holznagel.

Die Grünen mahnten an, bei der Förderung von Elektroautos auf Öko-Energie zu setzen. "Kaufanreize für E-Mobile sind wichtig. Aber nur Diesel durch Kohlestrom zu ersetzen, hilft dem Klima null", sagte der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck (Grüne). "In die Autobatterien gehört grüner Strom aus Erneuerbaren und nicht brauner Strom aus schmutzigen Kohlekraftwerken."

Der Linke-Verkehrsexperte Herbert Behrens warnte vor einer ökologisch kontraproduktiven Wirkung, da sich die Konzerne mit Elektroautos ihre Dieselflotten schön rechnen könnten. "Eine Kaufprämie für E-Autos setzt somit Anreize für die Industrie, nichts in die Verbesserung der Verbrennungsmotoren zu investieren", sagte Behrens der dpa.

Die Regierung hat das Ziel ausgegeben, dass 2020 eine Million E-Autos unterwegs sein sollen. Zu Jahresbeginn waren aber erst 25.500 E-Autos und 130.000 Hybride zugelassen – bei 45 Millionen Pkw insgesamt.

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(mit Material der dpa) / (anw)