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Elektroautos: Neue Regeln treffen Ladesäulenbetreiber

Zum 1. April ändert sich das Eichrecht. E-Autofahrer sollen dann genau wissen, was der Strom kostet. Das gibt Probleme für Autohersteller und Säulenbetreiber.

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Elektroautos: Neue Regeln treffen Ladesäulenbetreiber

Ein Mercedes EQC an einer Ionity-Ladestation.

(Bild: Ionity)

Betreiber von Ladesäulen für Elektroautos haben mit einer auf den ersten Blick unscheinbaren Regeländerung zu kämpfen: Vom 1. April an müssen dem neuen Eichrecht entsprechende Messgeräte eingebaut werden, die kilowattstundengenau abrechnen, damit E-Autofahrer genau wissen, was der Strom kostet. Bislang bei Schnellladestationen übliche zeitbasierte Tarife, also Minutenpreise, dürften damit vor dem Aus stehen.

Das Problem ist nur: Für Gleichstrom-Ladesäulen, bei denen das Laden im Vergleich zu Wechselstrom-Ladesäulen deutlich schneller geht, gebe es noch keine geeigneten Messgeräte – was alle Betreiber betreffe, sagte ein Sprecher des Netzwerks Ionity. Die genaue Messbarkeit sei nicht gegeben.

Zu Ionity hatten sich Volkswagen, BMW, Daimler und Ford zusammengeschlossen, um Schnellladestationen entlang der Autobahnen aufzubauen. Das Netzwerk sei im Gespräch mit den zuständigen Landes-Eichbehörden und gehe davon aus, dass die Geräte im Laufe des Frühjahrs zur Verfügung gestellt werden.

Den Landesbehörden ist dem Vernehmen nach klar, dass nicht alle Ladesäulen abgeschaltet werden können. "Wir werden geduldet", sagt der Ionity-Sprecher. Er betont: "Keine Säule muss zurückgebaut oder abgerissen werden." Die Nachrüstung sei gewährleistet. Kosten: bisher unbekannt, in der Branche ist aber von Millionensummen die Rede.

Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft gab es Ende 2018 über 16.100 Ladepunkte in Deutschland – davon 12 Prozent Schnelllader. Das Wirtschaftsministerium sprach von bundesweit etwa 8000 öffentlichen Ladesäulen, unklar sei, wie viele dieser Säulen nicht messrechtskonform seien. Betreiber müssen nach Angaben des Ministeriums für betroffene Gleichstrom-Säulen Nachrüstpläne vorlegen. Dann werde die Eichbehörde einen "individuellen Bescheid" erlassen, der eine Umrüstungsfrist setzt. Damit könnten die Ladesäulen bis zum Ende der Frist betrieben werden.

Ein Hindernis mehr für E-Autos, auf deren Erfolg die Hersteller allesamt angewiesen sind – schon weil die künftigen EU-Grenzwerte für den Kohlendioxidausstoß und damit den Verbrauch kaum ohne Stromer zu erfüllen sein dürften. Daher auch ein VW-Vorstoß mit der mobilen Schnellladesäule, die überall dort eingesetzt werden soll, wo E-Autofahrer keine andere Möglichkeit zum Laden finden – vor Supermärkten beispielsweise. Die mobile Säule wird nach VW-Angaben im Sommer 2019 in die Pilotphase in Wolfsburg starten – ohne Zähler, weil der Strom für Testkunden kostenlos sei. 2020 starte die Serienproduktion in Hannover, dann mit eichrechtskonformem Zähler.

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(anw)