Elektroautos: Studien zum Schadstoffausstoß oft fehlerhaft und ignorant

"Erfolgreiche Anwendung von Betrugssoftware"

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In den von den Niederländern kritisierten Studien werde vermutet, dass die Batterie nur 150.000 km hält, und dies einem Dieselauto gegenübergestellt, das 300.000 km halte. Doch diese Annahmen beruhten nicht auf tatsächlichen Forschungen. "Empirische Daten zeigen, dass moderne Batterien höchstwahrscheinlich eine Laufzeit von mehr als 500.000 km haben werden", schreiben die Wissenschaftler.

Die Niederländer gehen davon aus, dass sich der Strommix ähnlich wie in den vergangenen 20 auch in den nächsten 20 Jahren weiter dramatisch verändern wird. Daher sollten Elektrofahrzeuge, die 2020 in Europa verkauft werden, mit 250 g CO2eq/kWh Elektrizität über ihre gesamte Lebensdauer berechnet werden. Im Gegenzug sei die Messung der CO2-Emissionen von Autos in Europa "zutiefst problematisch, weil die offiziellen Zahlen nicht mehr empirisch, sondern politisch geworden sind".

Das Testprotokoll werde in politischen Verhandlungen mit den Herstellern definiert, die dann die Institutionen auswählen und sponsern, die die Tests für sie durchführen. "Dies führte zur erfolgreichen Anwendung von Betrugssoftwares, und selbst vollständige Tests unter Verwendung des New European Driving Cycle (NEDC) führen zu Emissionen, die 40 Prozent unter der Realität liegen", heißt es in der Eindhovener Studie.

Die Emissionen im Zusammenhang mit der Herstellung von Benzin und Diesel sind größer sind als bisher angenommen, meinen die Niederländer. Dies hätten neue Forschungen über das Abfackeln und andere Quellen von Treibhausgasemissionen gezeigt. "Um die Produktion von Treibstoff zu berücksichtigen, sollten bei Verbrenner-Autos, die mit Benzin fahren, die angenommen CO2 Emissionen um 30 Prozent erhöht werden. Autos, die mit Diesel fahren, sollten 24 Prozent zu ihren Auspuffemissionen hinzufügen."

Die Technik der Verbrennungsmotoren könne nur begrenzt noch verbessert werden, weil sie ausgereift sei. Die Herstellung des Kraftstoffs für Verbrennungsmotoren sei relativ ineffizient und teuer. Ein Elektrofahrzeug könne hingegen direkt mit erneuerbarem Strom betrieben werden, auch sei sein Motor im Durchschnitt viermal effizienter. "Das Endergebnis ist, dass ein Energiesystem mit genügend erneuerbarem Strom zu Elektrofahrzeugen führt, die mindestens zehnmal weniger CO2 ausstoßen als Autos, die mit Benzin, Diesel oder Erdgas fahren", resümieren die niederländischen Forscher.

"Ich selber fahre seit mehreren Jahren Elektroauto und lade zu Hause mit Ökostrom. Das machen die meisten Elektromobilisten. Dann ist die Ökobilanz noch deutlich besser, als in der Studie berechnet wurde", kommentierte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer. "Natürlich ist Rad- und Zugfahren klimafreundlicher, aber wenn es nicht ohne Auto geht, ist das Elektroauto fürs Klima viel besser als Benziner oder Diesel. Und der Fahrspaß ist definitiv ein anderer als im rappeligen Diesel."

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(Bild: heise Autos)

(anw)