Elektroautos: Studien zum Schadstoffausstoß oft fehlerhaft und ignorant

Sind Elektroautos in Betrieb und Produktion umweltfreundlicher als Verbrenner? Studien bezweifeln das. In einer neuen Studie werden diese Studien kritisiert.

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Elektroautos: Studien zum Schadstoffausstoß oft fehlerhaft und ignorant

Ein elektrischer Porsche wird in Bremen aufgeladen.

(Bild: heise online / anw)

Von
  • Andreas Wilkens
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Vor allem deutsche Studien hatten zuletzt festgestellt, dass in der Herstellung der Akkus, des Stroms und der Elektroautos selbst sowie beim Recycling derart viel Treibhausgas entsteht, dass sie gegenüber Autos mit Verbrennungsmotor momentan nicht umweltfreundlicher sind. Eine Studie der TU Eindhoven räumt damit nun auf. Sie wirft den Erstellern der Studien einige Mängel vor: "Ordentliche Berechnungen zeigen, dass Elektrofahrzeuge bereits heute weniger als die Hälfte der Treibhausgase ihrer mit fossilen Brennstoffen betriebenen Pendants ausstoßen."

Die Treibhausgasemissionen während der Produktion der Batterie würden übertrieben, heißt es in der Studie " Vergleich der lebenslangen Treibhausgasemissionen von Elektroautos mit den Emissionen von Fahrzeugen mit Benzin- oder Dieselmotoren ", die von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben wurde. Weiter werde die Laufzeit der Batterien unterschätzt und vermutet, dass der Strom während der Lebensdauer eines Autos nicht sauberer wird. Zudem gebe es unrealistische Annahmen zum Spritverbrauch, Voremissionen bei Diesel und Benzin zum Beispiel beim Herstellungsprozess würden nicht berücksichtigt und es fehle der Blick in die Zukunft.

Die Eindhovener beziehen sich in ihrer Studie beispielsweise auf eine Lebenszyklus-Analyse der Forschungsgesellschaft Joanneum Research, laut der E-Autos bei Nutzung des deutschen Strommixes ihre Klimavorteile gegenüber herkömmlichen Antrieben erst nach mehreren Betriebsjahren und hohen Fahrleistungen ausspielen könnten. Das ifo-Institut hatte ermittelt, Elektroautos erhöhten den CO2-Ausstoß. Sobald der Ausstoß bei der Herstellung der Batterien und der deutsche Strommix in der Rechnung berücksichtigt werde, belaste ein E-Auto das Klima um 11 bis 28 Prozent mehr als ein Dieselauto.

Die niederländischen Forscher entgegnen, wenn künftig Autos komplett mit erneuerbaren Energien produziert und gefahren würden, führe dies zu "mindestens zehnmal weniger Emissionen als das, was mit Verbrennungsmotoren, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, erreicht werden kann". Verbesserung und intelligentere Technik hätten die Energie drastisch gesenkt, die Fabriken zur Herstellung von Batteriezellen benötigen. Gleichzeitig werde die verwendete Elektrizität stetig dekarbonisiert. "All dies reduziert den 'Klimarucksack' der Elektrofahrzeuge, aber viele Elektrofahrzeug-kritische Studien ignorieren dies."

In den von den Niederländern kritisierten Studien werde vermutet, dass die Batterie nur 150.000 km hält, und dies einem Dieselauto gegenübergestellt, das 300.000 km halte. Doch diese Annahmen beruhten nicht auf tatsächlichen Forschungen. "Empirische Daten zeigen, dass moderne Batterien höchstwahrscheinlich eine Laufzeit von mehr als 500.000 km haben werden", schreiben die Wissenschaftler.

Die Niederländer gehen davon aus, dass sich der Strommix ähnlich wie in den vergangenen 20 auch in den nächsten 20 Jahren weiter dramatisch verändern wird. Daher sollten Elektrofahrzeuge, die 2020 in Europa verkauft werden, mit 250 g CO2eq/kWh Elektrizität über ihre gesamte Lebensdauer berechnet werden. Im Gegenzug sei die Messung der CO2-Emissionen von Autos in Europa "zutiefst problematisch, weil die offiziellen Zahlen nicht mehr empirisch, sondern politisch geworden sind".

Das Testprotokoll werde in politischen Verhandlungen mit den Herstellern definiert, die dann die Institutionen auswählen und sponsern, die die Tests für sie durchführen. "Dies führte zur erfolgreichen Anwendung von Betrugssoftwares, und selbst vollständige Tests unter Verwendung des New European Driving Cycle (NEDC) führen zu Emissionen, die 40 Prozent unter der Realität liegen", heißt es in der Eindhovener Studie.

Die Emissionen im Zusammenhang mit der Herstellung von Benzin und Diesel sind größer sind als bisher angenommen, meinen die Niederländer. Dies hätten neue Forschungen über das Abfackeln und andere Quellen von Treibhausgasemissionen gezeigt. "Um die Produktion von Treibstoff zu berücksichtigen, sollten bei Verbrenner-Autos, die mit Benzin fahren, die angenommen CO2 Emissionen um 30 Prozent erhöht werden. Autos, die mit Diesel fahren, sollten 24 Prozent zu ihren Auspuffemissionen hinzufügen."

Die Technik der Verbrennungsmotoren könne nur begrenzt noch verbessert werden, weil sie ausgereift sei. Die Herstellung des Kraftstoffs für Verbrennungsmotoren sei relativ ineffizient und teuer. Ein Elektrofahrzeug könne hingegen direkt mit erneuerbarem Strom betrieben werden, auch sei sein Motor im Durchschnitt viermal effizienter. "Das Endergebnis ist, dass ein Energiesystem mit genügend erneuerbarem Strom zu Elektrofahrzeugen führt, die mindestens zehnmal weniger CO2 ausstoßen als Autos, die mit Benzin, Diesel oder Erdgas fahren", resümieren die niederländischen Forscher.

"Ich selber fahre seit mehreren Jahren Elektroauto und lade zu Hause mit Ökostrom. Das machen die meisten Elektromobilisten. Dann ist die Ökobilanz noch deutlich besser, als in der Studie berechnet wurde", kommentierte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer. "Natürlich ist Rad- und Zugfahren klimafreundlicher, aber wenn es nicht ohne Auto geht, ist das Elektroauto fürs Klima viel besser als Benziner oder Diesel. Und der Fahrspaß ist definitiv ein anderer als im rappeligen Diesel."

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(anw)