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Elektroautos verkaufen sich schlecht und leiden unter Imageproblemen

Die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland ist trotz Bestreben der Bundesregierung und Industrie immer noch gering. Eine aktuelle Umfrage deutet nun auf ein allgemeines Imageproblem hin.

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Elektroautos verkaufen sich schlecht und leiden unter Imageproblem

(Bild: heise online/vbr)

Die Zahl der Elektroautos in Deutschland ist nach wie vor überschaubar. Im Jahr 2014 seien 8522 Elektro-Autos neu zugelassen worden, teilte das Kraftfahrtbundesamt (KBA) am Mittwoch in Flensburg mit. Hinzu kommen 27.435 Hybrid-Autos, die sowohl mit Elektro-Motor als auch mit herkömmlichem Verbrennungsmotor angetrieben werden. Den aktuellen Bestand veröffentlicht das KBA erst in den kommenden Tagen. Vor einem Jahr rollten 12.156 Fahrzeuge mit Elektro- und 85.575 mit Hybridantrieb auf deutschen Straßen.

Doch schon jetzt zeigt sich, dass der Anteil der Elektroautos niedrig ist. Insgesamt waren im vergangenen Jahr 3,04 Millionen Pkw neu zugelassen worden. Das ist ein Plus von drei Prozent. Seit der Wiedervereinigung kauften die Bundesbürger allerdings nur 2013 und 2010 weniger Neuwagen als im vergangenen Jahr. Privatleute hielten sich nach den Zahlen des KBA zurück. Der Anteil der privaten Neuzulassungen ging 2014 auf 36,2 Prozent zurück.

Elektroautos in Deutschland (60 Bilder)

Der Nissan Leaf 2 – Nissan bringt damit einen Nachfolger für das bislang meistverkaufte E-Auto mit mehr Wums und höherer Reichweite.
(Bild: Nissan)

An mangelnder Modellvielfalt kann die Zurückhaltung beim Kauf nicht liegen, denn für das vergangene Jahr zählte der Verband der Automobilindustrie (VDA) 17 neue Serienmodelle; dieses Jahr sollen noch einmal zwölf weitere hinzukommen. Primär hemmen immer noch die bekannten Schwierigkeiten wie geringe Reichweite, hohe Preise und lange Ladezeiten den Kaufanreiz.

Eine repräsentative Umfrage für Autofahrer vom Autozulieferer Continental zeigt nun einen weiteren Grund auf: Die batteriebetriebenen Fahrzeuge wecken kaum Emotionen. Der Marktforscher infas befragte dabei 1800 Autofahrer in der zweiten Jahreshälfte 2014. Gut zwei Drittel bewerten E-Autos demnach zwar als umweltfreundlich und vernünftig. Doch nur rund jeder Vierte sieht die kaufentscheidenden Imagefaktoren Fahrspaß, attraktives Design und Sportlichkeit gegeben.

Laut der Umfrage sank zuletzt auch spürbar die Bereitschaft, in vier bis zehn Jahren ein E-Auto zu kaufen. In der Gruppe junger Leute bis 30 Jahre sanken die Werte von 47 auf 34 Prozent. Die Gruppe mittleren Alters (31 bis 59) zeigt den gleichen Trend (46 auf 35 Prozent). Und ausgerechnet in der kaufstarken Gruppe ab 60 Jahren stabilisiere sich „eine zurückhaltende Haltung auf einem Niveau von 40 Prozent“. Alle Studienergebnisse will der Dax-Konzern am 29. Januar vorlegen.

Continental-Vorstand José Avila schlussfolgert: „Nach dem Boom vor einigen Jahren befinden sich reine Elektroautos aktuell in einer Imagefalle.“ So zeigt die regelmäßig erhobene Umfrage auch, dass bei jungen Autofahrern seit 2011 die Zahl derjenigen sprunghaft anstieg (von 0 auf 20 Prozent), die auf ein E-Auto nur dann umstiegen, wenn Verbrennungsmotoren überhaupt nicht mehr zur Verfügung stünden.

Einen Ausweg sieht Avila in der Kombination der E-Antriebe mit Dieseln und Benzinern. Dies erlaube es Autofahrern bei vernünftigen Kosten auch, „erste Erfahrungen mit Elektromobilität zu sammeln“. Weitere Kaufanreize soll das Elektromobilitätsgesetz der Bundesregierung bieten, dass dieses Jahr in Kraft treten soll. Fahrer von Elektroautos soll dann Privilegien wie etwa reservierte Parkplätze in Anspruch nehmen können.

Das geht dem Bundesrat aber nicht weit genug und finanzielle Fördermöglichkeiten für Privatnutzer sollen weitere Anreize schaffen. Niedersachsen Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hält eine Kaufprämie von 5000 Euro für sinnvoll und rührt seit Monaten die Werbetrommel. In Ländern wie etwa China und Frankreich ist die Bezuschussung bereits Realität. (des)