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Elektronische Gesundheitskarte: Ärzte wollen den Reset-Knopf drücken

Die Diskussion über die elektronische Gesundheitskarte (eGK) geht weiter. Der Präsident der Bundesärztekammer will ein neues System, das das Smartphone der Patienten einbezieht.

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Elektronische Gesundheitskarte: Ärzte wollen den Reset-Knopf drücken

(Bild: blickpixel)

Nach Gesundheitsminister Jens Spahn und Digital-Staatsministerin Dorothee Bär hat nun Frank Ulrich Montgomery, der Präsident der Bundesärztekammer, die elektronische Gesundheitskarte (eGK) als völlig veraltet bezeichnet. "Wir sollten am besten einmal den Reset-Knopf drücken und über ein neues System nachdenken", sagte Montgomery in einem Interview mit der Rheinischen Post. Die eGK sei konzipiert worden, als die Versicherten noch kein Smartphone hatten. Es gebe sehr gute Gesundheits-Apps, die berücksichtigt werden müssten, meinte Montgomery.

In der Diskussion über die eGK hatte Gesundheitsminister Jens Spahn zuletzt einen kleinen Rückzieher gemacht. Der Ärztezeitung erklärte Spahn, dass er keineswegs das gesamte System der Gesundheitskarte und der medizinischen Telematik-Infrastruktur zerschlagen wolle. "Aber wenn jemand sagt, ich möchte auch per Handy, auf dem Smartphone per App auf meine Daten zugreifen können, dann kann man sich auch möglicherweise für ein, zwei Standards niedriger entscheiden," erklärte Spahn.

Der Vorstoß des "Ärzte-Präsidenten" zielt in dieselbe Richtung einer Smartphone-Integration bei gleichzeitiger Senkung des Datenschutzniveaus. "In Deutschland wird mit dem Datenschutz übertrieben", erklärte Montgomery. Es könne nicht sein, dass künftig Ärzte ihre Patienten über Datenschutzbelange aufklären müssten. Hier müssten pragmatische Lösungen gefunden werden.

Mit den Vorstößen des Gesundheitsministers wie des "Ärzte-Präsidenten" geht die Diskussion in die Richtung, wie Patienten ohne Zugriff auf ein kontaktbasiertes Lesegerät Zugang zu ihren Daten erhalten können. Nach dem auf dem deutschen Ärztetag beschlossenen Antrag fordern die Ärzte dafür ein zweites eHealth-Gesetz. Von Montgomery wie auch von Spahn nicht erwähnt, könnte eine Lösung darin bestehen, dass die nächste Generation der Gesundheitskarte mit einem kontaktlosen Chip zur NFC-Kommunikation ausgestattet wird und mit der Karte, unter ein Handy gelegt, nach der PIN-Eingabe die elektronische Patientenakte (ePA) oder das elektronische Patientenfach (ePF) geöffnet wird. Beide Varianten sind nach Paragraph 391a SGB gesetzlich geregelt.

Während in der elektronischen Patientenakte Behandlungsdaten, Befunde und Laborwerte durch die Ärzte beziehungsweise Leistungserbringer eingetragen werden, speichert der Versicherte selbst im elektronischen Patientenfach eigene Körperdaten, Laborwerte und Bilder. Eine Sonderform bildet das Pilotprojekt TK-Safe, bei dem zunächst die Krankenkasse die ihr vorliegenden Behandlungsdaten einspeichert und den verschlüsselte Zugriff per App durch ein bestimmtes, vom Patienten zu definierendes Smartphone freigibt.

Unterdessen läuft der Ausbau der technischen Infrastruktur (TI) weiter. Nach wie vor ist die Compu Group Medical (CGM) einziger Anbieter von Konnektoren und Schnittstellen zu ihrer Software. Nach Angaben von CGM sind aktuell 25.000 Arztpraxen von etwa 217.000 angeschlossen. Erwartet wird, dass der Konnektor der Telekom im nächsten Monat die TI-Zulassung durch das BSI erhält. Die sichere Kommunikation unter den Ärzten ist nach Angaben der Gematik von der eFail-Schwachstelle nicht betroffen, zumal die Arzt-zu-Arzt-Kommunikation derzeit nur in einigen Testpraxen ausprobiert wird. (Detlef Borchers) / (anw)

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