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Elektronische Gesundheitskarte: Durchstich geschafft

Die Erprobung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) läuft nach Plan. Ein "Durchstichtest" habe ergeben, dass alle Komponenten funktionsfähig sind. Für die Notfalldaten wurde ein besonderes Sprint-Programm beschlossen.

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(Bild: Gematik)

Das zentrale Netz für die elektronische Gesundheitskarte konnte reibungslos aufgebaut, auch konnte mit den Zulassungstests der Public Key Infrastruktur (PKI) begonnen werden. Das geht aus einem Sachstandsbericht hervor, den die für die eGK verantwortliche Projektgesellschaft Gematik veröffentlicht hat. Danach konnte Bereits im Dezember die CVC-Root-Zulassung erfolgreich abgeschlossen werden.

Zusammen mit der Kaufmännischen Krankenkasse sei erfolgreich ein "Durchstichtest" absolviert worden. Dabei sei ein Versichertenstammdatensatz über die Telematikinfrastruktur online überprüft und erfolgreich aktualisiert worden, heißt es in dem Sachstandsbericht. "Damit ist ein wichtiger Schritt getan, um die Telematikinfrastruktur im kommenden Herbst im Echtbetrieb erproben zu können."

Die Gematik ist sich sicher: Im Herbst 2015 werden tausend Ärzte und zehn Krankenhäuser in den Testregionen Nordwest (Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) beziehungsweise Südost (Sachsen und Bayern) damit beginnen können, online die Gültigkeit der Stammdaten auf der Gesundheitskarte ihrer Versicherten zu überprüfen. Sollten die Gesellschafter der Gematik dem zustimmen, wird nach diesem Stammdatenabgleichstest die Qualifizierte Elektronischen Signatur (QES) und die sichere Arzt-zu-Arzt-Kommunikation erprobt. Wie berichtet werden beide Testreihen wissenschaftlich begleitet. "Nach erfolgreichem Abschluss der Erprobung und parallel durchgeführter Evaluation wird das Netz der Telematikinfrastruktur für den bundesweiten Anschluss aller Praxen und Krankenhäuser bereitstehen", versichert die Gematik in ihrem Bericht.

Außerdem haben die Gematik-Gesellschafter einen "Notfalldatenmanagement-Sprint" (NFDM) beschlossen: Ohne Online-Anbindung an die Telematikinfrastruktur soll untersucht werden, "ob das Einwilligungsverfahren des Versicherten in die freiwillige Anwendung und das erstmalige Anlegen eines Notfalldatensatzes alltagstauglich" ist und von den Patientenverwaltungssystemen (PVS) unterstützt wird.

Das Anlegen und Ausfüllen eines solchen Notfalldatensatzes durch den Hausarzt gilt als die wichtigste Anwendung, mit der die elektronische Karte von den Versicherten gesichert werden kann. In der Sprache des Sachstandsberichtes liest sich das so: "Da die Integration von NFDM in die Primärsysteme für die Akzeptanz bei Versicherten und Ärzten bedeutsam ist, können so gegebenenfalls Optimierungspotenziale frühzeitig erkannt und genutzt werden, bevor die eigentliche Erprobung beginnt."

Unabhängig vom Sachstandsbericht der Gematik hat der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen beschlossen, die zum Jahresende 2014 erlassene Haushaltssperre der Gematik-Zuschüsse von rund 1,5 Millionen Euro pro Kasse aufzuheben. Als Grund wird der kurzfristig bekannt gewordene Referentenentwurf genannt, mit dem das Gesundheitsministerium Tempo bei der eGK machen will.

Allerdings sei es aus Sicht der Kassen nicht nachvollziehbar, dass Parallelnetze wie das KV-Safenet der Kassenärztlichen Vereinigungen neben der Telematikinfrastruktur gefördert würden. Hier wird eine klare gesetzliche Regelung beziehungsweise ein Verbot dieser Netze gefordert: "In der Konsequenz würde der Beitragszahler nämlich dreimal finanziell belastet: Bezahlt werden müssen die Telematikinfrastruktur der Gematik, Parallelnetze und womöglich später die Zusammenführung der verschiedenen Plattformen. Das ist unverantwortlich." (anw)