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Elektronische Gesundheitskarte: Informationen zum Start der Online-Anbindung

Die Broschüren der Gematik sollen Leistungserbringer und den IT-Dienstleister darüber informieren, was alles bei der Einrichtung einer Online-Anbindung zu beachten ist.

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Gematik veröffentlicht Informationen zum Start der Online-Anbindung

Die Projektgesellschaft Gematik hat eine Reihe von Informationen zum anstehenden Start der Online-Anbindung von Arztpraxen und Krankenhäusern an die telematische Infrastruktur des Gesundheitswesens veröffentlicht. Mit speziellen Checklisten können Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten abhaken, was sie benötigen. Besonders eindrücklich ist die Checkliste für den IT-Dienstleister, der den Online-Anschluss einer Praxis zum Laufen bringen soll.

Nach den gesetzlichen Vorgaben des E-Health-Gesetzes sollen alle Arztpraxen und Krankenhäuser bis zum 30. Juni 2018 an die telematische Infrastruktur des Gesundheitswesens (TI) angeschlossen sein, die seit 2013 von Arvato Systems aufgebaut und bis 2020 betrieben wird. Im ersten Schritt sollen bei dieser Online-Anbindung nur die Stammdaten der Versicherten daraufhin geprüft werden, ob sie versichert sind, ob die Adresse stimmt und welchen Zuzahlungsstatus sie besitzen. Dafür benötigen die Leistungserbringer (Ärzte, Zahnärzte und Therapeuten):

  • für den Online-Betrieb zugelassene Lesegeräte zum Einlesen der Versichertendaten
  • zugelassene Konnektoren für die VPN-Verbindung zur TI
  • einen Praxisausweis für den Berechtigungsnachweis beim Zugriff auf die Stammdaten eines Versicherten

Die Informationen und Checklisten der Gematik erscheinen verspätet, denn nach dem Gesetz sollte die Online-Anbindung ab dem 1. Juli 2017 gestartet sein. Entsprechend könnte die Deadline am 30. Juni 2018 verschoben werden. Die Informationen sind auch nicht vollständig, da das erwähnte Fachportal mit Information über zugelassene Geräte mangels erfolgter Zulassungen noch nicht freigeschaltet ist. Bekannt sind bis jetzt nur die Anbieter der Praxisausweise, die Bundesdruckerei und Medisign.

(Bild: Gematik )

Wie das Infoblatt zum Anschluss ausführt, soll in der Standard-Installation (siehe Abbildung) der Konnektor das gesamte LAN einer Praxis absichern und die Daten verschlüsselt an den Router übergeben, der wiederum zur telematischen Infrastruktur durchschaltet. Internet-Dienste können dabei nur über einen "Secure Internet Service" genutzt werden, der wiederum VPN-Verschlüsselung anbietet und sind auf "E-Mail, Dateitransfer via File Transfer Protocol und gegebenenfalls auch Internetfernsehen und Internettelefonie" beschränkt. Ein Web-Zugriff muss dann mit anderen Mitteln realisiert werden. Möglich ist auch die Einrichtung eines Parallelbetriebes mit zwei getrennten Netzwerken.

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Die meiste Arbeit wird der IT-Dienstleister haben, der nach Darstellung der Checkliste so arbeiten soll, dass der Praxisbetrieb nicht gestört wird. Vorab muss er sich vergewissern, ob die eingesetzten Kartenterminals für den Online-Betrieb zugelassen sind beziehungsweise sie für ein Update einschicken und Ersatzgeräte parat haben. Nach der Aktualisierung der Praxis-Software muss er die Zugangsdaten (Contract-ID) und Passwörter des Konnektors setzen sowie die PIN für den Praxisausweis vom Personal setzen lassen. Auch braucht er die Zugangsdaten für den DSL-Router und die Passwörter des Service Providers. Wann er anfangen kann ist unklar, doch die den Leistungserbringern gezahlte Startpauschale für die Arbeit der IT-Dienstleister steht fest: 900 Euro.

Aus den Online-Testreihen in der Testregion Nordwest mit rund 375 Arztpraxen in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz weiß man, dass der Zugriff auf die Versichertendaten ohne Online-Anbindung durchschnittlich 29 Sekunden dauert, mit der Online-Anbindung 74 Sekunden. Probleme beim Zugriff auf die Versichertendaten der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) eines Versicherten verursachten eine durchschittlichen Wartezeit von 300 Sekunden. Nach einer Online-Befragung der Testpraxen war dabei die Nichtlesbarkeit der Karte der häufigste Fehler (26 Prozent), gefolgt von Konnektor-Problemen (21 Prozent) und Software-Abstürzen (15 Prozent). Für die Testregion Südost liegen keine Zahlen vor, hier soll der Testbetrieb im Alltagsbetrieb nachgeholt werden. (mho)

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