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Elektronische Gesundheitskarte erreicht weiteren Kilometerstein

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Die Projektgesellschaft Gematik hat nach eigenen Angaben einen neuen "Meilenstein für den Bau der sicheren Datenautobahn des Gesundheitswesens" erreicht. Ab sofort stehen die technische Dokumentation und die Spezifikationen für den Online-Rollout Stufe 1 (ORS1) der Telematik-Infrastruktur für die Gesundheitskarte (eGK) zum Abruf bereit. Die ORS1-Dokumente sind in drei Teilleistungen, Lose genannt, aufgeteilt, für die die Industrie ab sofort verbindliche Angebote erstellen kann.

Die drei Lose sind in einem europaweiten Vergabeverfahren ausgeschrieben. Zum Jahresende soll bekannt gegeben werden, wer den Zuschlag erhält. Die siegreichen Firmen oder Industriekonsortien haben dann zehn Monate Zeit, die Technik in den beiden ORS1-Testregionen Nordwest (Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) und Südost (Sachsen und Bayern) zu installieren.

Los 1 betrifft den Stammdatenabgleich der elektronischen Gesundheitskarte, der online in der Arztpraxis erfolgen soll. Wer umzieht, gibt dies seiner Krankenkasse bekannt. Diese sorgt dafür, dass die Adressdaten automatisch auf der Karte aktualisiert werden, wenn die Karte in einem Praxis-Terminal steckt. Damit brauchen neue eGK nur in Sonderfällen wie bei der Namensänderung nach einer Heirat neu ausgegeben werden. Gegen diesen Datenabgleich gibt es Vorbehalte der Kassenärzte, die sich nicht als Gehilfen der Kassen sehen.

Die Gesamtheit der deutschen Ärzteschaft hat die Frage des Datenabgleichs auf ihrem Ärztetag 2013 in Hannover vertagt, bis erste Testergebnisse aus den Testregionen vorliegen. Die Gematik versucht zu besänftigen: "Ein Zugriff der Krankenkassen auf Daten in der Arztpraxis ist nicht möglich. Für Ärzte, Zahnärzte und Angehörige anderer Heilberufe hat der Online-Abgleich den Vorteil, dass sie ihre Abrechnungsdaten einfach aktualisieren können."

Los 2 betrifft die Einführung einer qualifizierten elektronischen Signatur (QES) auf den Heilberufsausweisen. Mit der QES sollen elektronische Arztbriefe unterschrieben werden, ehe sie verschlüsselt verschickt werden. Ferner soll der Arzt den Notfalldatensatz auf der elektronischen Gesundheitskarte unterschreiben, den er im Auftrag des Versicherten angelegt hat.

Los 3 betrifft die Einrichtung des Backbones der Telematik-Infrastruktur. Die Fachdienste der Krankenkassen für den Stammdatenabgleich und die jeweiligen Arzt-Kommunikationsnetze wie etwa KVSafeNet müssen so zusammengeschaltet werden, dass Los 1 und Los 2 getestet werden können. Nach Abschluss und Auswertung der Testphase (die zeitlich noch nicht festgelegt ist) in den beiden Testregionen soll der bundesweite Rollout dieser allerersten Online-Funktion erfolgen.

Zuletzt hatte die Barmer GEK bei der Vorstellung ihres Arzneimittelreports massiv für die elektronische Gesundheitskarte geworben. Besonders ältere Menschen litten unter den Folgen der Polypharmazie, weil sie vergessen, Medikamente zu nehmen. "Hätten wir die elektronische Gesundheitskarte, das elektronische Rezept und die elektronische Patientenakte, hätten behandelnde Ärzte und auch Apotheker einen viel besseren Überblick über die Arzneimitteltherapie", heißt es in einer Mitteilung. Dass das elektronische Rezept auf absehbare Zeit nicht von der Gematik realisiert wird, bringt die Barmer nicht zur Sprache.

Update 21.06. 17:40h:

Nach ergänzenden Angaben der Projektgesellschaft Gematik werden Los 1 und Los 2 jeweils an zwei Auftragsnehmer vergeben. Das verringere das Projektrisiko und ermögliche, verschiedene Lösungsansätze zu erproben, teilte die Gematik mit. Die doppelten Tests in den Testregionen sollen sechs Monate dauern. (anw)

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