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Elektronischer Personalausweis nimmt Fahrt auf

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Mit neuem Logo, das eID-Anbieter künftig auf ihren Webseiten nutzen sollen, präsentiert sich der elektronische Personalausweis auf der CeBIT in Halle 9 mit einem ganzen Bündel von Anwendungen. "Meine wichtigste Karte", so der neue Werbeslogan für den Ausweis, soll so überzeugend sein, dass ab dem 1. November ein regelrechter Run auf die Karten einsetzen kann. Über 30 Industriepartner aus dem Feldtest präsentieren Lösungen für den Ausweis, täglich gibt es mehrere Vorträge über seine Fähigkeiten.

In seinem Referat stellte Frank-Rüdiger Srocke vom Bundesinnenministerium (BMI) klar, dass der neue Ausweis im Zeitplan liege. Zum Januar haben die Anwender- und Feldtests begonnen, ab 1. Mai startet das Bundesverwaltungsamt mit der Ausgabe von Berechtigungszertifikaten. Diese Zertifikate werden von Dienstleistern benötigt, um auf Datenfelder im nicht-hoheitlichen Teil des Ausweises zugreifen zu können. Im August soll in einem Feldtest mit 28 Ausweisbehörden und den unterschiedlichsten Verwaltungssystemen das Ausstellen echter Ausweise geprobt werden, anschließend startet ein Systemtest.

Mit dem Stichtag 1. November gibt es nur noch die neuen Ausweise, die von etwa 5300 Stellen ausgegeben werden. Diese erhalten nicht nur neue Software mit einem neuen XhD-Datenaustauschformat, sondern auch neue Lesegeräte, da der elektronische Personalausweis nicht von den bisher genutzten Lesegeräten verarbeitet werden kann. Das ist aber nötig, weil jeder Bürger am Arbeitsplatz der Meldebehörde seine kompletten Daten einsehen können soll. Was er mit den Daten machen kann, darüber soll eine bundesweite Hotline (0180/1333333) rund um die Uhr aufklären. Sie soll vom Kompetenzzentrum neuer Personalausweis betrieben werden.

Wer die elektronischen Funktionen nicht aktivieren will, wird dies schriftlich bei der Meldebehörde beantragen müssen – ebenso wie der Verzicht auf Fingerabdrücke im hoheitlichen Teil schriftlich dokumentiert werden muss. Keine Angaben machte Srocke darüber, was der neue Ausweis kosten soll. Ihm zufolge verhandelt das BMI derzeit mit den kommunalen Spitzenverbänden und der Bundesdruckerei. Die in den Medien kolportierte Summe von 16 Euro sei "aus der Luft gegriffen".

Eine ganze Reihe von auf der CeBIT gezeigten Anwendungen nutzt die digitale Altersangabe des Ausweises, etwa beim Lotto-Portal von Lotto Hessen oder bei den neuen Zigarettenautomaten der Firma Willi Weber. Dann sind eine Reihe von Versicherungen und Banken wie Gothaer, HUK24, LVM die Sparkassen und die DKB auf der Messe vertreten, die beim Banking oder der Eingabe von Schadensmeldungen die elektronische ID-Prüfung nutzen. Großen Zuspruch erhoffen sich die Ausweisplaner von einer Anwendung, die die Arbeitsgemeinschaft eKFZ und das Fraunhofer Fokus-Institut entwickelt: die elektronische An- und Abmeldung des Autos.

Auch der elektronische Lohnzettel, den die große Steuerberater-Genossenschaft Datev im Jahre 2011 starten will, setzt den elektronischen Personalausweis bei der Identifizierung des Anwenders voraus. Die Bundesdruckerei zeigt gemeinsam mit der deutschen Bahn eine Lösung, die das bisherige Verfahren "Call A Bike" ersetzen soll: Anwender, die ein Handy mit NFC-Funktionalität haben, sollen die Mieträder in Zukunft an NFC-Terminals ausleihen, in die der Ausweis gesteckt werden muss.

Bei aller Euphorie über den digitalen Schwung, den der neue Ausweis bringen soll, war es am Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als technische Aufsichtsbehörde, das positive Bild etwas zu dämpfen. Jens Bender stellte nüchtern fest: "Die elektronische ID des Ausweises als Infrastrukturmaßnahme kann nicht alle Probleme des Netzes lösen." Insofern sei es unredlich, bestimmte Dinge mit dem Ausweis zu verknüpfen, der primär der sicheren Authentifizierung diene. "Der Einsatz des Ausweises ist kein Schutz vor Malware. Er ist auch kein absoluter Schutz gegen das Social Engineering, aber er macht das Phishing schwerer." (pmz)

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