Elektrorollern statt zu gehen oder radeln: Umweltbundesamt kritisiert E-Scooter

Elektro-Tretroller haben das Potenzial für ein umweltfreundliches Verkehrsmittel, meint das UBA; aber erst dann, wenn sie hauptsächlich Pkw-Fahrten ersetzen.

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Elektrorollern statt zu gehen oder radeln: Umweltbundesamt kritisiert E-Scooter

Von A nach B zu kommen ist auf diverse Weisen möglich. Manche versuchen das mit einem Lebensstil zu koppeln.

(Bild: Lime)

Von
  • Andreas Wilkens

Elektro-Tretroller tragen dem Umweltbundesamt (UBA) zufolge kaum zu einer umweltfreundlicheren Mobilität in Innenstädten bei. "Die gefahrenen Strecken sind meist sehr kurz und können regelmäßig auch zu Fuß, mit Bus, Bahn oder Fahrrad bewältigt werden", sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Im Vergleich zum Fahrrad seien die E-Tretroller die "deutlich umweltschädlichere" Variante. Mit dem Fahrrad ließen sich Strecken ebenso schnell bewältigen und lasse sich Gepäck besser transportieren, heißt es in einer ersten Bilanz des UBA zu Elektro-Tretrollern.

Es gebe für Deutschland noch keine repräsentativen Studien dazu, für welche Wege E-Scooter momentan genutzt werden und ob sie Pkw oder Motorräder ersetzen. Erste Zahlen zu Nutzungsweiten in Berlin ließen aber vermuten, dass zurückgelegte Wege mit dem E-Scooter durchschnittlich etwa zwei Kilometer lang sind und vor allem abends und am Wochenende zurückgelegt werden.

Eine Umfrage unter über 4000 Nutzenden von Verleih-E-Scootern in Paris zeige, dass fast die Hälfte der Befragten ohne Roller zu Fuß gegangen wäre, 29 Prozent hätten den ÖPNV genutzt und 9 Prozent wären per Fahrrad ans Ziel gekommen. Acht Prozent der Befragten hätten mit dem geliehenen E-Scooter eine Auto- oder Taxifahrt ersetzt. Drei Prozent hätten sich ohne Roller gar nicht fortbewegt.

Hilfreicher wäre es, wenn Verleiher die Fahrzeuge in Außenbezirken aufstellen würden, eine Empfehlung, die kürzlich auch Städtetag und Gemeindebund aussprachen. "Hier kann es durchaus sinnvoll sein, die zu lange Strecke zu Bus oder Bahn schnell mit dem E-Scooter zu überbrücken", sagte Krautzberger. Schließlich hätten die Roller durchaus das Potenzial, Mobilität nachhaltiger zu machen: wenn sie Autofahrten ersetzen.




Allerdings sei das privat genutzte Auto in Städten das "deutlich größere Umweltproblem", betonte Krautzberger, "sowohl was die Schadstoffe als auch was den Lärm angeht." In Berlin kämen derzeit auf einen E-Scooter 270 Autos. Städte müssten die Zahl der Stellplätze für Autos deutlich reduzieren, auch um mehr Platz für Rad- und Fußwege zu schaffen.

Damit Menschen mit E-Scootern besser vorankommen, müsse die Fahrradinfrastruktur in Deutschland dringend weiter verbessert und ausgebaut werden, meint das UBA weiter. "Es braucht flächendeckend sichere und bequeme Radwege und Rad- und Rollerabstellflächen beziehungsweise -anlagen." Zudem müsse sichergestellt werden, dass E-Scooter nicht auf Fußwegen fahren und dass Fehlverhalten gezielt geahndet wird. "Durch das fast geräuschlose Fahren und die relativ hohen Geschwindigkeiten der Roller kann es zu Unfällen mit Fußgängern kommen." Der Fußverkehr dürfe durch Elektrokleinstfahrzeuge keinesfalls unattraktiver werden. "Stattdessen muss das Zufußgehen weiter gefördert werden", plädiert das UBA.

Eine Regelgeschwindigkeit innerorts von Tempo 30 würde es auch den Fahrerinnen und Fahrern von E-Scootern erleichtern, sich sicher auf der Straße zu bewegen, auf die sie angewiesen sind, wenn Radwege nicht vorhanden oder zu voll sind. Dies würde auch dazu beitragen, dass E-Scooter nicht illegal auf Gehwegen fahren. (anw)