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Elektrosmog: Schlafstörungen und Gedächtnisverlust bei Kindern

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Berichte in der britischen Medizinwissenschaftszeitschrift The Lancet heben in der Diskussion über die Gefährlichkeit der elektromagnetischen Abstrahlungen von Handys und des Elektrosmogs die nicht-thermischen Auswirkungen hervor. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift (Volume 356, Number 9244) gehen zwei Artikel auf die Auswirkungen von Handys auf die Gesundheit ein. Kenneth J. Rothman sieht dabei noch keine sicheren Nachweise, dass die thermischen Auswirkungen der elektromagnetischen Felder zu Krebs führen könnten – was sich aber durch neuere Untersuchungen, die gerade durchgeführt würden, ändern könnte.

Einen anderen Aspekt betont dagegen Gerard Hyland. Er sieht vor allem bei Personen unter 18 Jahren die nicht-thermischen Auswirkungen des Elektrosmogs als erwiesen an. Kinder, die Handys benutzten, litten an Gedächtnisverlust, Schlafstörungen und Kopfschmerzen, schreibt Hyland. Die Unter-18-Jährigen, die rund ein Viertel der Mobilfunknutzer in Großbritannien ausmachten, seien zudem anfälliger als Erwachsene, da ihr Immunsystem weniger robust sei.

Die Haupteffekte der Handy-Abstrahlungen seien neurologischer Natur, die die Stabilität der Körperzellen beeinflussten. Die Gefahren kämen dabei von der niedrigfrequenten nicht-thermischen Strahlung, nicht von der Erwärmung des Gehirns durch thermische Effekte. Kinder seien dabei anfälliger als Erwachsene, da die Absorption von GSM-Abstrahlungen bei einem Objekt, das ungefähr die Größe eines Kinderkopfes habe, am größten sei. Außerdem könne die Strahlung auf Grund der dünneren Hirnschale von Kindern leichter eindringen. Bis zu einem Alter von ungefähr 12 Jahren gebe es zudem noch Veränderungen in der Struktur der Gehirnaktavität – und das in einem Bereich, in dem gerade die Abstrahlungen und Pulse der Mobilfunkgeräte lägen. Das Immunsystem, dass durch diese Form der Abstrahlungen negativ beeinflusst werde, sei bei Kindern darüber hinaus schwächer als bei Erwachsenen, wodurch sie negative Auswirkungen auf die Gesundheit schlechter bewältigen könnten.

Wären Mobiltelefone Lebensmittel, wären sie nicht zugelassen worden, da es zu viel Unsicherheit gebe, ob sie sicher seien, schreibt Hyland. Die bislang umfassendste Bestandsaufnahme und Bewertung der Erkenntnisse zu den Gesundheitsrisiken der Mobiltelefonie legte im Mai des Jahres die Independent Expert Group on Mobile Phones (IEGMP) in England vor. Sie kam ebenfalls zu dem Schluss, dass Kinder auf Grund ihrer dünneren Schädeldecke und des sich noch entwickelnden Nervensystems einem größeren Risiko ausgesetzt sind. Zum Stand der Forschung und der Diskussion um die Auswirkungen des Elektrosmogs siehe auch den Artikel Störfunk fürs Gehirn in Ausgabe 14/2000 der c't. (jk)

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