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Elite Dangerous: Über 10.000 Raumpiloten zwingen die Spiele-Server in die Knie

In acht Monaten wollen Spieler der Expedition Distant Worlds 2 im Weltraumspiel Elite Dangerous dreimal so viel Strecke zurücklegen wie die USS Voyager.

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Elite Dangerous: Über 10.000 Raumpiloten zwingen die Spieler-Server in die Knie

Die Distant-Worlds-2-Expedition ist das größte von Spielern-organisierte Unterfangen in der Geschichte des Weltraum MMOs Elite Dangerous.

(Bild: Fabian A. Scherschel)

Im Weltraum-MMO Elite Dangerous hat mit der Distant-Worlds-2-Expedition das größte je dagewesene Spieler-Event in der Geschichte des Spiels begonnen. Insgesamt haben sich fast 13.000 Spieler bei den Organisatoren angemeldet, um die acht Monate dauernde Reise quer durch die virtuelle Milchstraße des Spiels zu unternehmen.

Am gestrigen Sonntag brachte der Hyperspace-Sprung tausender Spieler aus dem Start-Sonnensystem die Spiele-Server reihenweise zum Absturz. Für über zwei Stunden ging für die meisten Elite-Dangerous-Spieler nichts mehr. Der Launcher des Spiels ließ es zeitweise nicht mal mehr zu, das Spiel im Single-Player-Modus zu starten, da die Anmelde-Server komplett überlastet waren.

Vorhersehbare Server-Probleme

Der Moment des Massensprungs aus dem System Pallaeni, der die Spiele-Server überlastete

(Bild: Fabian A. Scherschel)

Ein Großteil der Elite-Spieler-Community nahm die Server-Probleme mit Humor: "Dann geh ich jetzt erst mal in die Kneipe und versuch's in ein paar Stunden noch mal", sagte einer der Spieler im Voice-Chat der Expedition. "Ist noch wer in Winchester und will mitkommen?" – die Frage wurde von zwei anderen Spielern direkt bejaht.

Mehrere Expeditions-Teilnehmer bemerkten, dass es schon irgendwie lustig sei, dass Elite-Spieler Spaß dabei hätten, die Server des Weltraum-Spiels abstürzen zu sehen. "Bei anderen Spielen meckern sie dann rum, wir bringen die Server extra zum Absturz und gehen dann einen trinken", bemerkte einer.

Die Server-Probleme kamen in der Tat nicht unerwartet. Beim bis dato größten Spieler-Event der Elite-Geschichte im Jahre 2017 mit knapp 3000 Spielern konnten die Server des britischen Entwicklers Frontier Developments die daraus resultierenden Weltraumschlachten ebenfalls nicht verkraften und gingen genauso in die Knie. Viele Spieler hatten auch für den Distant-Worlds-2-Start ähnliches vorausgesagt – und Recht behalten.

Video vom Expeditions-Start

Wellen-Start

Immerhin haben es die Server-Admins bei Frontier geschafft, zur zweiten Start-Welle ein paar Stunden später die Server stabil zu halten. Die Distant-Worlds-2-Expedition war in drei Wellen zu unterschiedlichen Zeiten gestartet, um das Ganze für Piloten in Europa, den USA und Ozeanien auf Grund der unterschiedlichen Zeitzonen angenehmer zu gestalten.

Der erste Start (der europäischen Gruppe) war allerdings mit Abstand der größte, denn Elite Dangerous ist vor allem in Großbritannien sehr beliebt. Das liegt auch daran, dass das Original-Elite von 1984 mithalf, die britische Videospiele-Industrie zu begründen und dessen Mitprogrammierer David Braben in seinem Heimatland lange Kultstatus erlangt hat.

Dieser Tage leitet Braben das Entwicklerstudio Frontier und bestimmt auch bei Elite Dangerous, wo es bei der Entwicklung langgeht. Was auch die große Beliebtheit des Titels bei Weltraum und Sci-Fi-Fans auf der Insel erklärt.

Eine Reise zum Ende der Galaxie

Die knapp 13.000 Entdecker, die an Distant Worlds 2 teilnehmen, haben sich zum Ziel gesetzt, in 8 Monaten eine Strecke von knapp 200.000 Lichtjahren zurückzulegen. Für die meisten Spieler bedeutet dies, dass sie mindestens drei oder vier Stunden pro Woche im Spiel unterwegs sein müssen, um mit der Expeditionsflotte Schritt zu halten.

Jede Woche wird ein neuer Wegpunkt bekanntgegeben mit bestimmten Sehenswürdigkeiten, die Spieler auf dem Weg erkunden können, wenn sie wollen. Am Wochenende treffen sich die Entdecker dann an dem festgelegten Wegpunkt mit ihren Mitstreitern.

Die ganze Unternehmung wird von den Entwicklern bei Frontier aktiv unterstützt, die In-Game-Missionen beisteuern. So soll auf dem ersten Abschnitt der Reise eine Station am supermassiven schwarzen Loch Saggitarius A* im Zentrum der Milchstraße erbaut werden. Erfüllen die Spieler das von Frontier gesetzte Ziel, so steht die Station ab dann allen anderen Reisenden im Spiel zur Verfügung.

Geplante Route der Distant-Worlds-2-Expedition

(Bild: Clockpuncher / Elite Dangerous Wiki )

Halbwegmarke ist Beagle Point, eine legendäre Station für Elite-Spieler an dem der Erde abgewandten Rand der Milchstraße. Beagle Point gilt als ultimatives Ziel für Spieler, die in dem Weltraum-MMO hauptsächlich als Entdecker unterwegs sind. Auf dem Rückweg will die Expeditionsflotte dann die ungefähre Route abfliegen, welche die USS Voyager auf ihrem Rückweg aus dem Delta-Quadranten in der gleichnamigen Star-Trek-Serie nahm. Einige der Bereiche, durch den die Reise gehen soll sind von Elite-Spielern bisher kaum erkundet und die Veranstalter hoffen, dass die Masse an Spielern viele neue Entdeckungen macht.

Abbild der echten Milchstraße

Elite Dangerous spielt in einem Abbild der Milchstraße, dass die Spiele-Entwickler so wissenschaftlich korrekt wie möglich aufgebaut haben. Wo es nur geht orientieren sich Sterne, deren Systeme und andere galaktische Phänomene wie Nebel und schwarze Löcher an echten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Entstehung von Sternensystemen und vorhandenen Sternenkatalogen.

Die riesigen Lücken (vor allem auf der uns abgewandten Seite der Galaxie), von denen wir keine Daten haben, werden von einem Algorithmus namens Stellar Forge an Hand von aktuellen wissenschaftlichen Modellen prozedural generiert. Die Position der unterschiedlichen Sterne steht, mit ein paar Änderungen, seit Anfang des Spiels fest – insgesamt sind es über 400 Milliarden –, aber deren Systeme werden erst erzeugt, wenn der erste Spieler per Hyperraum-Sprung in das System eintritt.

Ab und zu greift Frontier allerdings aktiv in den Prozess ein, etwa wenn neue Exo-Planeten entdeckt werden. Solche Ereignis führen meist innerhalb von Wochen zu Änderungen, um die Elite-Milchstraße an den aktuellen Stand der Forschung anzupassen. Und auch die Distant-Worlds-2-Organisatoren hoffen, dass die Stellar-Forge-Server im Zuge der Reise viel damit zu tun haben werden, neue Sternensysteme zu generieren, die von Mitgliedern der Expedition entdeckt wurden. (fab)

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