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Eliza: Tell me your problem

Joseph Weizenbaums "Eliza" war der erste Chatbot. Inmitten des "Vintage Computing Festivals Berlin" wurde ihm zu Ehren eine Kurztagung abgehalten.

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Eliza: Tell me your problem

(Bild: Detlef Borchers / heise online)

Auf dem Vintage Computing Festival in Berlin zeigen alte Rechner, was in ihnen steckt. Mitunter sind es Dinge wie der Stäbchenspeicher von Nixdorf, die im Lauf der Geschichte obsolet geworden sind. Mitunter laufen auf ihnen Programme, die mitten in aktuelle Diskussionen führen können. Das machte die "Kurztagung" Hello, I'm Eliza deutlich.

Vor 50 Jahren schrieb Joe Weizenbaum dieses Programm in der von ihm entwickelten Programmiersprache SLIP auf einem IBM 7094 am Massachusetts Institute of Technology. Homecomputer-Fans tippten später BASIC-Listings mit Eliza-Fragen und -Antworten in ihre Ataris oder Amigas ein und reizten dabei die ehrwürdige Programmiersprache und ihre Kleinstrechner bis zum Äußersten aus, wie Tagungsleiter Stefan Höltgen erklärte und an einem Atari demonstrierte.

In frühen Mailboxsystemen wie dem Haunetaler GeoNet konnte man sich mit der integrierten Eliza-Funktion unterhalten. Wer als junger Mensch heute von Eliza hört, zuckt hingegen mit den Achseln: Schließlich gibt es Siri und Konsorten, die einen per Smartphone bequasseln, dazu noch die Vorhölle der "interaktiven Beratungsassistenten" zur Auswahl eines Smartphone-Tarifs.

Rechner aus längst vergangenen Tagen beim "Vintage Computing Festival Berlin"

(Bild: Delef Borchers / heise online)

Bei der Debatte um künstliche Intelligenz verweist jeder Interessierte nicht auf Eliza, sondern auf AlphaGo und seine völlig neuen Züge, vor denen ein Go-Meister kapitulieren musste. Weizenbaum selbst hielt sein Chat-Programm für eine Demonstrationsarbeit und bezeichnete den von seinem Kollegen Herbert Simon & Co entwickelten Logic Theorist einmal als echten Höhepunkt der KI-Forschung, die vor 60 Jahren begann. Es konnte die meisten Theoreme der Principia Mathematica beweisen.

Eliza war ein einfaches Programm. Es war die Wirkung des ersten Chatbots, die Weizenbaum zum Nachdenken über das Verhältnis von Mensch und Computer brachte, wie der Informatiker Wolfgang Coy erklärte. Coy hatte selbst an einer IBM 7094 sein Handwerk erlernt. Ihm zufolge fand Weizenbaum auf Turings Frage zum "Imitation Game" die Antwort: "Menschliche Kommunikation beruht auf formalen Teilen und auf offenen Kontexten und Gefühlen."

Nur: Warum sollten Computer das können? Eine Antwort darauf hatte zuvor der Informatiker Klaus Mainzer vom Münchner Center for Technology in Society gegeben. Er verglich in seinem Vortrag die energieschonende Arbeitsweise des menschlichen Gehirns mit den enormen Ressourcen und dem Energiebedarf eines Systems wie IBM Watson mit 1300+ Prozessoren und riesigem Arbeitsspeicher. "Ziel könnte eine Konvergenz der evolutionären und der technischen Strategien in neuromorphen Computern sein, die technische Effizienz mit evolutionären Vorteilen wie dem Energiesparen verbindet."

Sollte dieses Ziel erreicht sein, dürfte Watson reif für eine Ausstellung bei einem Computing Festival sein. Das Vintage Computing Festival Berlin im Pergamon-Palais ist heute bis um 17:30 Uhr zugänglich. Der Eintritt ist kostenlos. (pmz)

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