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Emoji – Der Film: Meh meh meh poop

Wie kriegt man die Kids noch ins Kino, wenn gerade kein Superheld oder Transformer verfügbar ist? "Lass uns was mit Smartphones machen", schreit einer im Meeting. "Mit Emojis!" Hätte er bloß die Klappe gehalten.

Emoji – Der Film: Meh meh meh poop

Es gibt Filme, die sind nur noch ein Ausdruck der vollkommenen Ratlosigkeit, absoluten Verzweiflung und nackten Überlebensangst, die derzeit in Hollywood herrschen. Vor allem aber sind sie Ausdruck des totalen kreativen Bankrotts. Wenn die Studios gerade keine Comic-Verfilmung am Start haben oder irgendein vor Jahrzehnten mal erfolgreiches Franchise wiederbeleben können, aber schnell noch was für Kids in den Sommerferien brauchen, dann kommt sowas wie "Emoji – Der Film" dabei raus.

Die Idee ist eigentlich sogar ganz hübsch. Im Smartphone von Teenie Alex herrscht reges Treiben: In der Messaging-App leben die Emojis. Ihr Job ist, wenn Alex ein Emoji tippt auf den Punkt das richtige Gesicht zu machen oder einfach hübsch auszusehen. Ober-Emoji Smiler wacht als überdrehte Pageant-Mom darüber, dass alle happy sind und keiner aus der Reihe tanzt – ihr Happy-Emoji-Land duldet keine Abweichler.

Gene, wie seine Eltern ein "Meh"-Emoji mit Miesepetergesicht, freut sich auf seinen ersten Tag im Job. Doch sein Einsatz geht fürchterlich schief: Er zeigt eine Fehlfunktion. Smiler schickt ihre Lösch-Bots los, die sich auf Genes Fersen heften. Mit seinem Kumpel Hi-5 macht der sich auf die Suche nach dem berüchtigten Hacker Jailbreak, der Gene umprogrammieren soll. Doch Jailbreak entpuppt sich als Ex-Prinzessinnen-Emoji, die selbst keinen Bock mehr auf die ihr zugedachte Rolle hat.

Man ahnt, worauf das hinaus läuft: Gene lernt, seine Andersartigkeit zu akzeptieren und findet Freunde, die ihn so nehmen, wie er ist. Bis zu dieser überaus wertvollen pädagogischen Botschaft folgt die Erzählung den drei Abenteurern durch das Smartphone. Das bietet üppige Gelegenheiten für lahme Witze und unverhohlene Produktplatzierungen: Ein bisschen aufgesetzte Facebook-Kritik, surfen auf einem Spotify-Stream, Candy Crush, die Dropbox als das Shangri-La in der Cloud.

Das Ganze ist so vorhersehbar erzählt und einfallslos animiert, dass man sich in jeder Szene die Minions herbeiwünscht. Wenn Regisseur Tony Leondis sagt, der Animations-Klassiker Toy Story sei eine seiner Inspirationsquellen für den Emoji-Film, muss man sich fragen, wo diese Inspiration geblieben ist. "Emoji – Der Film" hat nichts vom Einfallsreichtum oder der lustvollen Anarchie, die große Animationsfilme wie "Toy Story" oder "Ich– Einfach unverbesserlich" ausmachen.

Klassiker wie diese funktionieren übrigens für die ganze Familie. "Emoji – Der Film" dagegen ist haarscharf an allen Zielgruppen vorbeiproduziert: Die Kleinen werden die vielen Technik-Bezüge nicht verstehen; für Teenies im Augenroll-Alter ist das alles viel zu niedlich. Es bleibt eine Nische von Elf- bis Zwölfjährigen und vielleicht noch ein paar Spätentwickler. Eventuell begleitende Eltern sollten sich vorher an der Bar mit ausreichend Alkohol eindecken.

Es gibt Filme, bei denen fragt man sich, wie da die Entscheidungen gelaufen sind, unter welchen Umständen sie entstehen konnten. Da wundert man sich, ob denn im entscheidenden Meeting wirklich niemand bei Verstand gewesen ist. Aber wenn man dann liest, dass sich Warner, Paramount und Sony einen regelrechten Bieterkampf um "The Emoji Movie" geliefert haben, scheint das alte Hollywood-Klischee von zu viel Kokain und noch mehr Ego wieder plausibel.

Heute dürften Warner und Paramount heilfroh sein, den Kürzeren gezogen zu haben. "Emoji - Der Film" mag ja eine Menge sein, aber ein Film (im Sinne von "eine mehr oder weniger kunstvoll arrangierte Szenenfolge, die eine Geschichte erzählt und dabei kurzweilig unterhält") ist es nicht. Man könnte dieses Animations-Debakel vielleicht mit einem dieser M&Ms-Werbespots im Fernsehen vergleichen, nur sind die eben schnell vorbei und außerdem viel, viel lustiger.

Sony Pictures – Quelle: Sony Pictures

"Emoji – Der Film" ist ab dem 3. August im Kino. Es gibt auch eine 3D-Fassung. heise online empfiehlt "Ich – Einfach unverbesserlich 3"

(vbr)

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