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Empörung an der Waterkant: Hamburg.de in der Kritik

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Die Umstellung der E-Mail-Accounts bei Hamburg.de auf ein Bezahlmodell rührt in der Hansestadt an den Emotionen. Die Sprecherin der Hamburger Verbraucherzentrale findet gegenüber Journalisten scharfe Worte. "Das kennt man nur von fiesen Anbietern. Erst kostenlos die Kunden locken und dann die Hand aufhalten", wird Edda Castello zitiert. Nach Ansicht von Vertretern der oppositionellen SPD komme das Portal, an dem auch die Stadt beteiligt ist, mit der Einstellung des kostenlosen Dienstes nicht mehr seiner Aufgabe als Bürgerportal nach. "Ein elementares Angebot von Hamburg.de zur Erfüllung dieser Aufgabe war es bisher, Bürgerinnen und Bürgern eine kostenlose E-Mail-Adresse unter der öffentlichen Root-Domain Hamburg.de anzubieten. Die ursprüngliche Vereinbarung zwischen der Stadt und den privaten Gesellschaftern des Portals sah eine kostenlose Nutzung bis mindestens zum Jahr 2010 vor. Aus diesem Grund ist die Stadt auch Mitgesellschafter der GmbH", sagte Hansjörg Schmidt, stellvertretender Fraktionschef der SPD in Hamburg-Mitte und Experte für E-Government gegenüber heise online.

Schmidt glaubt nicht daran, dass Hamburg.de weiterhin ein Interesse hat, überhaupt E-Mail-Adressen anzubieten. "Andere E-Mail-Dienste bieten neben kostenpflichtigen Diensten auch kostenlose Dienste an. In Anbetracht dessen scheint der Entschluss der Betreiber von Hamburg.de auch wirtschaftlich ein Fehler zu sein, es sei denn Sie wollen den E-Mail-Dienst komplett einstellen", meint er. Im Hause Hamburg.de weist man dies zurück. "Das neue Modell erlaubt uns kostendeckend zu arbeiten. Wir mussten unser ursprüngliches Modell modifizieren, weil sich herausgestellt hat, dass bestimmte Ansätze zur Quersubventionierung, die wir uns vor vier Jahr vorgenommen haben, nicht funktionieren", sagte Hamburg.de-Sprecher Torralf Köhler gegenüber heise online. "Wir bieten jetzt ein ähnliches Bezahlmodell wie Berlin.de oder Koeln.de -- nach unserer Ansicht der einzige Weg, das Mail-Angebot zu erhalten."

Seit dem 2. November kostet der E-Mail-Account bei Hamburg.de 35 Euro im Jahr, Inhaber bestehender E-Mail-Konten können diese noch bis Ende November kostenlos weiterbetreiben. Seit Bekanntgabe des neuen Bezahlmodells am Montag glühen die Telefondrähte im Callcenter von Hamburg.de heiß. Nach Aussage von Köhler äußere sich aber nur die Hälfte der Anrufer negativ. "Die andere Hälfte teilt sich zu 40 Prozent in solche Nutzer, die fragen, wie sie sich für den kostenpflichtigen Dienst anmelden müssen und zu 60 Prozent in solche, die erst einmal abwarten wollen", sagte Köhler. Zurzeit zähle Hamburg.de etwa 213.000 Freemail-Accounts, etwa 70.000 bis 80.000 davon seien aktiv. Um mit dem neuen Modell schwarze Zahlen zu schreiben, benötige man noch ein paar mehr aktive Kunden, sagte der Sprecher.

Die SPD Hamburg-Mitte will in der Bezirksversammlung nun einen Antrag dafür stellen, dass ein kostenloses Mail-Angebot bei Hamburg.de bestehen bleibe. Verteter der Stadtregierung machen den Antragstellern allerdings wenig Hoffnung auf Erfolg. "Wir müssten das Angebot weiterhin aus Steuergeldern subventionieren. Angesichts der knappen Kassen ist das aber kaum eine Option", so Simon Menzel, Sprecher der Finanzbehörde gegenüber heise online. Die Nutzer müssten sich überlegen, ob sie ein paar Euro im Jahr für einen werbefreien Dienst ausgeben wollen oder zu einem mit Reklame gespickten Angebot von Freemailern wechseln wollen. (tol)

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