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Ende der Netzneutralität: AT&T dehnt Zero-Rating-Dienst deutlich aus

Der US-Telekommunikationskonzern AT&T hat nach dem Beschluss der Regulierungsbehörde FCC, die Prinzipien für ein offenes Internet abzuschaffen, sein Programm für "gesponserte Daten" ausgeweitet. Kritiker befürchten neue Mautspuren im Netz.

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Am Donnerstag hat die Federal Communication Commission (FCC) ihre umstrittene Entscheidung, mit der die bisherigen Grundsätze für die Netzneutralität in den USA abgeschafft werden sollen, im Bundesregister veröffentlicht. Ein Teil der Bestimmungen tritt damit am 23. April in Kraft. Der Ex-Monopolist AT&T kündigte derweil an, sein Programm für "gesponserte Daten" auszubauen. Mit dem Zero-Rating-Angebot rechnet der Konzern den Bandbreitenverbrauch begünstigter Dienste etwa rund um Streaming nicht auf das Datenvolumen von Kunden an. Für diese liegt es daher nahe, die "gesponserten" Service zu nutzen und nicht die von Konkurrenten, die zusätzliche Datenkosten verursachen könnten.

Bisher sind in dem Programm nur die Videostreaming-Dienste DirecTV, U-verse und Fullscreen eingeschlossen, die alle drei von AT&T selbst stammen. Der Provider hat nun seine Kunden einschließlich Prepaid-Nutzern mit Monatstarifen von 35 US-Dollar an in einer SMS darauf hingewiesen, dass sie in den Genuss des gesponserten Angebots kämen. Dies war bisher nur der Klientel mit Festverträgen möglich. Unklar ist, ob und unter welchen Bedingungen AT&T Konkurrenten wie Amazon Prime, Hulu, Netflix oder Sling TV in die Zero-Rating-Offerte aufnehmen will. Kritiker sehen bereits einen Schritt hin zu mautpflichtigen Schnellspuren auf dem Datenhighway.

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Mit dem nahenden Aus für die FCC-Prinzipien für ein offenes Internet muss sich der Telekommunikationsriese keine Sorgen mehr machen, mit der Ungleichbehandlung einzelner Dienste gegen die Netzneutralität zu verstoßen. AT&T hatte im Streit über die Grundsätze der Regulierungsbehörde in jüngster Zeit mehrfach versucht, sich als Befürworter des offenen Internets auszugeben und ein Aktionsbündnis zu unterstützen. Aktivisten warfen dem Konzern daraufhin vor, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. AT&T hat ihrer Ansicht nach zusammen mit Comcast und Verizon am meisten Geld ausgegeben, um die Netzneutralität auszuhöhlen.

Die EU-Bestimmungen fürs offene Internet sind vage gefasst, wenn es um Zero Rating geht. Wenn damit nur einzelne Applikationen begünstigt würden, verstoße dies gegen die Nutzerrechte, hat das Gremium der europäischen Regulierungsstellen betont. Anders stelle sich die Sache dar, wenn eine ganze Anwendungskategorie wie sämtliches Videostreaming nicht angerechnet werde. Die Bundesnetzagentur untersagte der Deutschen Telekom auf dieser Basis nur Details der mobilen Daten-Flatrate "StreamOn", hinterfragte deren Prinzip aber nicht an sich. Das vergleichbare Angebot "GigaPass" von Vodafone prüft die Regulierungsbehörde noch. Verbraucherschützer drängen auf ein Verbot solcher Zero-Rating-Dienste. (Stefan Krempl) / (anw)

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