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Technology Review

Energieeffizient ohne Dämmplatten

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In Hamburg ist seit diesem Sommer ein extrem energiesparendes Wohngebäude bezugsfertig, das ohne Styroporhülle oder Biozide auf dem Putz auskommt, berichtet Technology Review in seiner September-Ausgabe (seit Donnerstag am Kiosk oder online bestellbar). Möglich macht dies einer der ältesten Baustoffe der Menschheit: Holz. Der Woodcube genannte Bau verbraucht 22 Prozent weniger Energie, als der KfW-Effizienzstandard 40 vorschreibt, die derzeit ambitionierteste Kategorie für staatlich geförderte Neubauten. Bei ihnen darf der jährliche Energieverbrauch maximal 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter betragen. Zudem ist der 15 Meter hohe Holzkubus das größte massive Holzgebäude weltweit: Es besitzt fünf Geschosse und bietet 900 Quadratmeter Wohnfläche. Andere entsprechende Bauten wie der LCT One im österreichischen Dornbirn ragen zwar weit höher auf. Bei ihnen liegt der Holzanteil jedoch lediglich bei rund 40 Prozent, weil etwa die Geschossdecken einen Betonkern besitzen. Der Woodcube dagegen kommt auf ganze 90 Prozent. Bei ihm sind nur noch Treppenhaus und Fahrstuhlschacht aus Brandschutzgründen betoniert.

Umweltfreundlich war auch die Errichtung des Massivholz-Baus. Zu diesem Schluss kommt zumindest die ina Planungsgesellschaft, ein Spin-off der TU Darmstadt aus dem Fachbereich Architektur und energieeffizientes Bauen. Sie zog in ihre Analyse die Herstellung sämtlicher am Bau beteiligter Materialien, den Bauprozess, die Nutzungsphase sowie den Rückbau inklusive Recycling ein – und bescheinigte dem Woodcube eine CO2-neutrale Gesamtbilanz. Während der Nutzungsphase wird zwar Kohlendioxid frei. Das Baumaterial jedoch, so zumindest die Berechnung der ina-Experten, macht diesen Umstand wieder wett: Bäume nehmen beim Wachsen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und binden es im Holz.

Damit mehrstöckige massive Holzhäuser ihren Durchbruch erleben, muss ihr Preis jedoch deutlich sinken. Während in Wilhelmsburg der Quadratmeterpreis bei neuen Eigentumswohnungen zwischen 2800 und 3500 Euro liegt, mussten die Käufer im Woodcube stolze 4500 Euro bezahlen. Ein Teil der Kosten geht darauf zurück, dass der Woodcube ein Prototyp ist, errichtet im Zuge der Internationalen Bauausstellung IBA in Hamburg. Entsprechend hoch lagen die Entwicklungs- und Forschungskosten. Das Unternehmen DeepGreen, gegründet von Projektentwickler Korff, will nun allerdings die Serienfertigung in Angriff nehmen. Damit dürfte der Preis sinken.

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(bsc)