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Englisches Finanzamt häuft Stimmproben von 5 Millionen Bürgern an

Laut Datenschützern wurden die Bürger nur unzureichend über den Sinn und Zweck der Stimmproben aufgeklärt. Löschung der Daten ist momentan unmöglich.

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Englisches Finanzamt häuft Stimmproben von 5 Millionen Bürgern an

(Bild: Rob Hyrons / Shutterstock.com)

Die britische Finanzbehörde Her Majesty's Revenue and Customs (HMRC) hat seit Anfang Januar 2017 Stimmproben von 5,1 Millionen Bürgern gesammelt und erntet dafür jetzt gehörig Kritik von Datenschützern. Laut der Datenschutz-Organisation Big Brother Watch hat die Behörde die Stimmproben für ein biometrisches Authentifizierungssystem erhoben. Die HMRC erzeugte aus den Stimmproben digitale Signaturen, die bei Anrufen dazu verwendet wurden, dem Anrufer Zugang zu seinen Datensätzen bei der Behörde zu gewähren.

"Sicher und äußerst beliebt"

Big Brother Watch wirft HMRC vor, eine Datenbank mit biometrischen Daten der Bürger ohne deren Wissen geschaffen zu haben. Wie die britische Nachrichtenseite The Register berichtet, weist die Behörde diesen Vorwurf zurück. Man habe die betroffenen Bürger darauf hingewiesen, wie sie aus dem Prozess aussteigen könnten. Außerdem sei das System sicher und äußerst beliebt. Big Brother Watch entgegnet, dass die Bürger nicht genügend Informationen über das System erhalten hätten und man ihnen nicht gesagt habe, wie sie das Aufnehmen des Stimmmusters verweigern können.

Die DSGVO

Nach zwei Jahren Übergangsfrist trat die DSGVO am 25. Mai in Kraft. Sie soll den Datenschutz in Europa vereinheitlichen und den Kontrolleuren mehr Macht geben. Zuvor hat es noch einmal jede Menge Verunsicherung gegeben.

Die Datenschutzorganisation hatte die Regierung mittels eines Informationsfreiheitsgesetzes dazu gezwungen, die Gesamtzahl der Stimmmuster in der Datenbank zu veröffentlichen. Aus der Antwort der Behörde geht auch hervor, dass in einer Periode von 30 Tagen vor Veröffentlichung der Informationen keine einzige Person der Erhebung ihres Stimmmusters widersprochen hatte.

Die Antwort der Regierung auf die Anfrage der Datenschutzorganisation lässt auch Zweifel daran aufkommen, ob die Speicherung der Daten DSGVO-kompatibel ist. HMRC gibt zu, für die Erhebung der Stimmmuster von einem impliziten Einverständnis der Bürger auszugehen. Man arbeite an einem System, dass den Benutzer auch explizit nach seinem Einverständnis zur Speicherung der Daten frage. Wie betroffene Bürger ihre Stimmdaten bei der Behörde löschen lassen können, ist laut Big Brother Watch nach wie vor unklar. Laut The Register untersuchen die Datenschutzbeauftragten der britischen Regierung das System bereits. Diese könnten die Finanzbehörde auch dazu zwingen, die Daten zu löschen. (fab)

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