Erde bei Nacht: Forscher suchen wieder Hilfe bei Lokalisierung von ISS-Aufnahmen

Um die Folgen von Lichtverschmutzung zu analysieren, wollen Forscher Fotos der ISS-Raumfahrer auswerten. Dazu müssen sie aber wissen, welche Städte die zeigen.

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Ein etwas einfacheres Bild

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Auf einem neu eingerichteten Portal sollen Internetnutzer in aller Welt dabei helfen, Zehntausende Satellitenfotos der Erde bei Nacht zu lokalisieren und bei der Erforschung von Lichtverschmutzung helfen. Im gleichnamigen Vorläuferprojekt Lost at Night waren auf ähnliche Weise bereits mehr als 30.000 Aufnahmen zugeordnet worden, die Astronauten von der Internationalen Raumstation ISS gemacht haben. Über das neue Portal sollen nun noch einmal 90.000 Städte identifiziert werden und auf diese Weise die Grundlage dafür gelegt werden, dass künftig KI-Software die Arbeit erledigen kann.

Wie die Europäische Weltraumagentur ESA erklärt, liegen in den Archiven der NASA mehr als eine Million Farbfotos der nächtlichen Erde, die von der ISS aus gemacht wurden. Die Mehrzahl davon ist nicht katalogisiert und das Motiv nicht zugeordnet. Gleichzeitig handelt es sich aber um die umfangreichste und am höchsten aufgelöste frei zugängliche Sammlung von Nachtaufnahmen der Erde. Wenn es um die Erforschung der Folgen von Lichtverschmutzung geht, könnte diese Datenbank jede Menge Hilfe leisten. Deswegen ist ihre Lokalisierung von großem wissenschaftlichen Interesse.

Auf Lost at Night können sich Interessierte nun jeweils ein solches Foto anzeigen lassen und bereits lokalisierten Satellitenaufnahmen des möglicherweise gleichen Ortes gegenüberstellen. Dafür greifen die Forscher auf die ungefähre Ortsangabe zurück, die bekannt ist. Wenn sie eine Entsprechung finden, können sie dies markieren. Erst wenn fünf verschiedene Nutzer eine Entsprechung markieren, soll dies aber akzeptiert werden. Danach soll dann Künstliche Intelligenz übernehmen und anhand des Materials trainiert werden. Denn noch seien Menschen bei dieser Zuordnung deutlich besser, erklärt Alejandro Sánchez de Miguel von der Universität Exeter, der das Projekt leitet.

Städte bei Nacht (13 Bilder)

München

Bayerns Landeshauptstadt
(Bild: Earth Science and Remote Sensing Unit, NASA Johnson Space Center)

Die Forscher erklären, dass Lichtverschmutzung ein oft ignorierter Umweltaspekt sei. Dabei sei bekannt, dass die künstliche Beleuchtung eine ganze Reihe von negativen Konsequenzen haben kann. Tiere und Pflanzen änderten dadurch ihr Verhalten beziehungsweise ihr Wachstum und ganze Ökosysteme würden so beeinflusst. Bei Menschen wiederum gebe es Auswirkungen auf den Schlaf und die Gesundheit. Mithilfe der ISS-Aufnahmen untersuchen Forscher unter anderem mögliche Zusammenhänge zwischen Lichtverschmutzung und dem Krebsrisiko bei Menschen, dem Wanderverhalten von Meeresschildkröten oder der Entwicklung von Kindern – aber auch die Folgen des Umstiegs auf LED-Beleuchtung.

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(mho)